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Berichte aus der Arbeitsgruppe

Die „Ev. Arbeitsgemeinschaft Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit Hamburg“ hat sich entschieden eine Arbeitsgruppe zur vertiefenden fachlichen Arbeit zum Thema Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit sowie zur Begleitung dieses Arbeitsprozesses zu bilden. Die Arbeitsgruppe hat sich darauf verständigt, sich auf die Teilhabemöglichkeiten junger Menschen mit Beeinträchtigungen zu konzentrieren, da diese Zielgruppe bisher weniger im Fokus der Arbeit steht. Die Arbeitsgruppe wird sich hierfür ca. alle 2 Monate treffen und sich den diversen Aspekten rund um die Inklusion von jungen Menschen mit Beeinträchtigung widmen. Die Ergebnisse des Arbeitsprozesses werden hier regelmäßig veröffentlicht.

Nach dem Auftakt der Veranstaltungsreihe „Leinen los…Inklusive Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg – gemeinsam Wege finden und Hürden abbauen“ im Juni 2022 in der Diakonie Hamburg haben uns Anfragen zur Mitarbeit in unserer Arbeitsgruppe erreicht. Das freut uns sehr und die Arbeitsgruppe hat gemeinsam entschieden, diese auch verbandsübergreifend weiter zu öffnen. Inzwischen hat auch die erste Online - Veranstaltung der Reihe zum Thema „Zusammenarbeit mit Eltern“ stattgefunden.

Die Vorträge der Veranstaltungsreihe sowie alle Termine finden sich unter Dokumentation Veranstaltungsreihe (diakonie-hamburg.de).

Es wurde sich auf dem Treffen zu beiden Veranstaltungen noch einmal inhaltlich ausgetauscht sowie sich gegenseitig über aktuelle Entwicklungen zur Inklusion informiert. Es wird u.a. über das Projekt „Arbeit.Inklusiv“ berichtet, welches von der Europäischen Union und der Stadt Hamburg finanziert wird. Ziel ist es Betriebe und Menschen mit Behinderungen zusammenzubringen. Weitere Infos dazu unter Arbeit.Inklusiv (inklusive-arbeit-hh.de). Auch für die Jugendverbandsarbeit stellen sich zunehmend Fragen wie u.a. Elternarbeit integriert werden kann, sich die Juleica Ausbildung unter dem Gesichtspunkt der Inklusion weiterentwickeln kann und was der Anspruch aus den Änderungen des SGB VIII für die Praxis bedeutet. Es wird nach Erfahrungen mit MobilCourage die u.a. ein Angebot in Kooperation mit einem Bauspielplatz anbieten nachgefragt. Dem Arbeitskreis liegen hierzu keine Erfahrungen vor. Nähere Informationen zu dem Projekt finden sich unter Selbst macht mobil - MobilCourage – Mutmachergesellschaft.

Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe wurde vorbesprochen und ist für November geplant.

Im Mai hatte die Arbeitsgruppe den Referenten für Eingliederungshilfe der Diakonie Hamburg Tanno Brysinski zum Gespräch eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage wie sich eine gelingendere Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe gestalten kann. Worin liegen Herausforderungen und was wäre hilfreich für die Zusammenarbeit?

Herr Brysinski führt aus, dass es auch für Angebote der Eingliederungshilfe schwierig ist, junge Menschen mit Behinderungen zu erreichen. Ein Großteil der Begleitung der jungen Menschen wird von den Eltern/Angehörigen geleistet. Hier wird aus der Arbeitsgruppe ergänzt, dass Eltern berichten, dass auch Ängste bestehen an Einrichtungen heranzutreten, aus Sorge Probleme zu bereiten. Mögliche offen Angebote kommen bei den Familien zu wenig an und nach wie vor ist erst ein Bruchteil der Angebote auch auf die Bedarfe von jungen Menschen mit Behinderungen abgestimmt. Eltern sind vielfach über Angehörigenverbände vernetzt. Diese können genutzt werden, um junge Menschen zu Angeboten der Jugendarbeit einzuladen. Die Förderung der Teilhabe und Selbstbestimmung mit jungen Menschen ist wie in der Kinder- und Jugendhilfe auch für die Arbeit in der Eingliederungshilfe ein wichtiges Ziel. Die zukünftige Entwicklung in der Ausgestaltung von Angeboten wird nicht exklusiv, im Sinne von gesonderten Angeboten verfolgt, sondern folgt dem Ziel einer inklusiven Ausrichtung. Auch aus Perspektive der Eingliederungshilfe bedarf es hierfür: Haltung, Ressourcen, Strukturen & Kommunikation sowie Beteiligung &Einbindung.

In der Jugendarbeit handelt es sich in der Regel um kleine Einrichtungen mit wenig Personal. Ein gemeinsam geteiltes Interesse und gegenseitige Unterstützung ist eine wichtige Voraussetzung um Zugänge in die Jugendarbeit zu eröffnen. Das Angebot der Kinder- und Jugendarbeit ist in der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung EUTB) sowie in der Gesamtplanung zu einer Teilhabe an der Gesellschaft im Lebensraum der jungen Menschen, als Teil des Wunsch- und Wahrechtes sowie im Arbeits- und Beratungsalltag bei Trägern der Eingliederungshilfe zu wenig bekannt. Informationen zur ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) sind zu finden unter https://www.hamburg.de/behinderung/10411318/teilhabeberatung/

Es ist wichtig für Beratende und Sozialarbeitende in der Eingliederungshilfe die Kinder- und Jugendarbeit zu kennen, um etwas zu dem Angebot sagen zu können. Einen Flyer mitzugeben ist nicht ausreichend.

Ob Veränderungen durch die Umsetzung der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes SGB VIII in Hamburg ggfls. auch erleichterte Zugänge in die Kinder- und Jugendarbeit ermöglichen werden, kann noch nicht beurteilt werden. Bisher ist die konkrete Umsetzung in Hamburg noch nicht geklärt.

Unsere Arbeitsgruppe wächst und wir freuen uns über die Teilnahme und das Interesse weiterer Kolleg*innen aus der Kinder- und Jugendarbeit. Herzlich Willkommen!

Das Jugendhaus Alsterdorf hat uns auf diesem Treffen einen Einblick in die barrierearme Ausstattung des Jugendhauses und die damit verbundenen Herausforderungen gegeben.
Das Jugendhaus verfügt inzwischen über einen rollstuhlgerechten Zugang, breitere Türen sowie eines barrierefreien WC, um jungen Menschen mit Bewegungseinschränkungen den Zugang in das Jugendhaus zu ermöglichen. Der Tresen wurde mit unterschiedlichen Höhen und unterfahrbar umgebaut und auch der Kochbereich ist mit einem Rollstuhl unterfahrbar. Die Ausstattung besteht aus einem rollstuhlgerechten Billiardtisch, Tischtennisplatte und Kicker mit Teleskopstangen. Zur Unterstützung des Kö beim Billiard spielen werden Teleskopstangen zur Verlängerung angeboten. Neben umfangreichen Kosten für erforderliche Umbauten, kosten Elemente einer barrierefreien Ausstattung im Durschnitt 50% mehr. Es mussten viele Einzelanträge über Stiftungen, Sondermittel, Zuschüsse etc. gestellt werden, um eine Finanzierung überhaupt zu ermöglichen. Dieses kostet viel zusätzliche Zeit zum Kontaktaufbau, für Vernetzung und formale Antragstellungen.

Es wird empfohlen mit Hilfe von Leihrollys die Einrichtung zu befahren, um Hürden und erforderlichen Veränderungen zu erkennen. Auch ist ein Besuch z.B. in einer Schule für Kinder mit Behinderungen empfehlenswert, um Impulse für geeignete Anschaffungen zu erhalten. Hierzu gehören auch „Kleinmaterialien“ wie z.B. Aufstecker für Malstifte, Klammern um Dinge zu fixieren, behindertengerechtes Besteck etc.. Manchmal haben Einrichtungen für behinderte junge Menschen auch Dinge abzugeben, Nachfragen kann sich ggfls. lohnen.

Im weiteren Verlauf wurde sich über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus der Eingliederungshilfe und den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und Ansätzen ausgetauscht. Die Arbeitsgruppe stellt erneut fest, dass es eines verstärkten Fachkräftediskurses zwischen der Kinder- und Jugendarbeit und der Eingliederungshilfe im Interesse von jungen Menschen mit Behinderungen bedarf. Um diesen Diskurs weiter aufzugreifen, soll zum nächsten Treffen der Referent für Eingliederungshilfe der Diakonie Hamburg eingeladen werden.

An diesem Termin war Frau Britta Walkenhorst aus der Abteilung „Gestaltung der Jugendhilfe“ der Sozialbehörde zu Gast, die u.a. mit dem Thema Inklusion befasst ist. Zu Beginn gab es eine Vorstellung der bisherigen Arbeit der Arbeitsgruppe, ihrer Entwicklung und Erfahrungen aus dem inzwischen gemeinsamen einjährigen Prozess. Im Anschluss hat Frau Walkenhorst über ihre Verbindung zum Thema erzählt und folgende Hinweise gegeben:

  • Antragsmöglichkeit ProRegio für Ganztagsprojekte von Schule und Offener Kinder- und Jugendarbeit. Nähere Informationen unter https://www.hamburg.de/jugendhilfe/10286534/pro-regio/
  • Studienprojekt zur Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit einer Studiengruppe Public Management der HAW wurde von Frau Walkenhorst auf den Weg gebracht. Dieses startet im März, erste Ergebnisse werden im September/Oktober erwartet. Ziel ist es Erkenntnisse/Fakten zu generieren, für weitere bezirkliche Planungen, das Berichtswesen sowie weitere Aushandlungen.

Im Anschluss gab es einen allgemeinen Austausch zu inklusiven Ansätzen/Angeboten in der OKJA sowie zum Zusammenwirken mit der Eingliederungshilfe. Erfahrungen zeigen, dass zusätzliche Mittel für Koordinationsleistungen und Netzwerkarbeit zur verbesserten Umsetzung von Inklusion erforderlich sind.

Zum Abschluss informiert Kristina Krüger (Diakonie Hamburg) zum geplanten Fachtag „Inklusive Kinder- und Jugendarbeit“ in Kooperation mit der HAW Hamburg, unter Mitwirkung der Arbeitsgruppe. Dieser findet statt am Donnerstag, den 09.06.2022 von 9.00 – 13.00 Uhr in der Diakonie Hamburg. Eine digitale Veranstaltungsreihe wird sich anschließen. Frau Walkenhorst ist herzlich eingeladen teilzunehmen und sich bei Interesse daran zu beteiligen ggfls. zu Ergebnissen aus dem Studienprojekt.

Eingeladen zur Teilnahme an der Arbeitsgruppe war Frau Britta Walkenhorst aus der Sozialbehörde. Leider ist eine Teilnahme aufgrund technischer Probleme nicht gelungen. Eine erneute Einladung für das kommende Jahr ist bereits ausgesprochen und zugesagt.

Das Jugendhaus Alsterdorf berichtet vom Start ihres neuen inklusiven Angebotes „Backen mit Handicap“. An diesem Angebot haben junge Menschen, mit und ohne Beeinträchtigung teilgenommen. Das Angebot findet in Kooperation mit Alsterdorf Assistenz-Ost im Jugendhaus Alsterdorf statt. Dieses ist zentral wichtig, um eine Brücke in das Jugendhaus anzubieten. Das gemeinsame Backen hat Energien freigesetzt und Lust auf eine Weiterführung gemacht: „Ich bin emotional noch total, berührt wie emphatisch alle miteinander umgegangen sind.“ berichtet Daniel aus dem Jugendhaus. Durch die Kooperation der Mitarbeitenden, haben die Jugendhaus Mitarbeitenden ganz konkret in der Vorbereitung und während der Durchführung erlebt, wie Teilhabe möglich ist, an was gedacht werden sollte und was bei der Durchführung berücksichtigt werden sollte. Das gemeinsame Angebot soll regelmäßig fortgeführt werden und es können sich auch noch weitere gemeinsame Erlebnisse eröffnen. Hierbei werden die jungen Menschen beteiligt – auch um sich für einen Titel für dieses Angebot zu entscheiden. Zeit und Kontinuität für regelmäßige Treffen und Reflektion der kooperierenden Mitarbeitenden sind zentral wichtig, um dieses Angebot zu ermöglichen.

Weitere Kooperationsprojekte befinden sich in der Anbahnung, die Arbeitsgruppe berät sich miteinander und teilt miteinander Ideen und Hinweise zur weiteren Umsetzung. Die gemeinsame Arbeit wird als hilfreich und unterstützend bezeichnet und wird im kommenden Jahr weitergeführt.

Im Arbeitstreffen im September 2021 hat die Arbeitsgruppe das Gespräch mit Jörg Stoffregen reflektiert. Mitgenommen wurde insbesondere die Ermutigung „irgendwo anzufangen“, es gibt nicht den „Königsweg“, die Herangehensweisen können unterschiedlich sein. Ein Netzwerk unterstützt und ist als Ressource nutzbar.

Die Treffen der Arbeitsgruppe unterstützen am Prozess einer inklusiven evangelischen Jugendarbeit „dranzubleiben“ und das Bewusstsein weiter zu schärfen. Es wird sich gegenseitig ermutigt, nicht zu groß zu denken - jeder Schritt zählt, ist ein Anfang und ermöglicht es Erfahrungen zu sammeln.

Die Teilnehmenden verständigen sich auf einrichtungsbezogene „erste Schritte“ bis zum nächsten Treffen der Arbeitsgruppe. Diese umfassen ein erstes konkretes Kooperationsprojekt, Kontaktaufnahme zu einem REBBZ im Bezirk, Suche nach weiteren Verbündeten sowie der Unterstützung einer Bewusstseinsbildung im Team durch gezieltes Nachfragen in der Angebotsgestaltung: „Wer ist da? Wie können wir alle mitnehmen?“

Die Leinen sind los……

Im August hat sich die Arbeitsgruppe zu einem digitalen Gespräch mit Jörg Stoffregen getroffen. Diakon Jörg Stoffregen ist Referent im Netzwerk Kirche inklusiv der ev.luth. Nordkirche. Das Netzwerk will Prozesse anregen wie Kirche zu einem guten Ort mit einem gleichberechtigten Miteinander für alle Menschen werden kann. Das Netzwerk bietet individuelle Beratungen, Prozessbegleitungen vor Ort, Netzwerktreffen und Materialien wie z.B. eine Fragenbox an.

 

Herr Stoffregen führt vier Aspekte aus, die nach seinen Erfahrungen Zugänge in die Jugendarbeit erschweren: Junge Menschen sind in der Regel immer auch Schüler*innen und das Vergleichen von schulischen Leistungen junger Menschen und daraus folgenden Bewertungen sind noch immer ein konstituierendes Merkmal von Schule. Junge Menschen mit Behinderungen können hier vielfach „nicht mithalten“. Sie sind immer noch häufig von Ausgrenzung und Separierung betroffen. Diese negativen Erfahrungen werden in die Jugendarbeit transferiert. Auch Fachkräfte in der Jugendarbeit sind beeinflusst von schulischen Erfahrungen zur Teilhabe von jungen Menschen mit Behinderungen. So wichtig Schulkooperationen sind, sind diese Aspekte die einen Zugang in die Jugendarbeit erschweren können, dringend mit zu reflektieren. Als weiterer Aspekt wird benannt, dass Menschen Zugehörigkeit und Sicherheit am ehesten in „ihrer Gruppe“ suchen. Das gilt auch für Eltern mit Kindern mit Behinderungen. Als vierter Aspekt wird schließlich auf die in Teilen immer noch bestehende schwierige räumliche Situation von Jugendeinrichtungen verwiesen. Jugendarbeit in Kellerräumen oder Dachböden sind in der Regel nicht barrierefrei, haben einen schlechten Lichteinfall etc.

 

„Inklusion kann nicht verordnet, sondern muss erfahren werden“ und durch ein Netzwerk oder eine Arbeitsgruppe im Entwicklungsprozess unterstützt werden. Es geht um Bewusstseinsbildung und dieses ist ein längerer Prozess. Netzwerke oder Arbeitsgruppen helfen, um Übergänge zwischen verschiedenen Arbeitsfeldern zu gestalten und inklusive Strukturen zu organisieren. Inklusion muss umfassend ansetzen. Es sollten gemischte Kooperationen vor Ort gesucht und zielorientiert gearbeitet werden. Inklusion darf teilweise nicht gelebt werden z.B. Mitarbeiter*innen werden zu bestimmten Treffen nicht gelassen, Hierarchien nicht aufgebrochen. Dadurch kommen Menschen nicht in die Verlegenheit Fehler zu machen, obwohl es für Inklusion keine Blaupause gibt. „Inklusion ist Versuch und Irrtum“.

 

Die zentrale Frage lautet: Wie können wir das was diskutiert wurde, für die Arbeit vor Ort nutzbar machen? Es gibt nach Ansicht von Herrn Stoffregen kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem. Er ermutigt dazu klein anzufangen, mit einem ersten Projekt. Dort können Erfahrungen gemacht werden, die dann für die weitere Arbeit wieder nutzbar sind. Temporär und Projektorientiert mit (Förder-) Schulen kooperieren und zu prüfen, ob ein Ansatz über Freizeit hinaus geeignet sein kann, um erste Zugänge zu öffnen. Die besten inklusiven Angebote sind die wo Menschen etwas gemeinsam miteinander tun z.B. Begegnungs- und Mitmachgarten, Kochen, Fahrradwerkstatt. Dieses eröffnet einen Zugang über Herz & Hand und nicht nur über den Kopf. Es braucht Begegnungsräume, die Menschen, die in ihrer Art verschiedenen sind, Erfahrungen miteinander machen lässt.

Auf dem AG Treffen im Mai hat die Arbeitsgruppe das Gespräch des letzten Treffens noch einmal miteinander reflektiert.

Als besonders bedeutsam wurden u.a. die Ermutigung die aus dem Gespräch mitgenommen wurde „Machen und nicht zu viel Denken“, die Bedeutsamkeit der Elternarbeit, verbunden mit der Herausforderung hier andere Wege als sonst üblich in der Jugendarbeit zu gehen, um junge Menschen zu erreichen, sowie bei der Planung von Angeboten von Beginn an die Teilhabemöglichkeiten für junge Menschen mit Beeinträchtigungen, aus einer inklusiven Grundhaltung heraus, mit zu berücksichtigen benannt.

Im Anschluss an die Nachbetrachtung hat sich die Arbeitsgruppe darauf verständigt, den weiteren Dialog thematisch zu strukturieren und in ein Konzept „Inklusive evangelische Jugendarbeit in Hamburg“ einmünden zu lassen. Weitere mögliche Gesprächspartner*innen und inhaltliche Themen wurden gesammelt.

Im März hat sich die Arbeitsgruppe zu einem digitalen Gespräch mit Astrid Schleiermacher aus der Ev. Stiftung Alsterdorf getroffen.

Astrid Schleiermacher arbeitet im Ambulanten Team der Alsterdorf Assistenz Ost und hat langjährige Erfahrung in der Assistenz von jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf. Sie hat von Ihren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Eltern berichtet und uns Einblicke in die Lebenswelten junger Menschen mit Assistenzbedarf ermöglicht. Gemeinsam haben wir als Sozialarbeiter*innen aus der Eingliederungshilfe und der Jugendarbeit über Voraussetzungen und Möglichkeiten verbesserter Zugänge in die offene Arbeit beraten. Die Umsetzung einer inklusiven Jugendarbeit muss drei Perspektiven berücksichtigen: Jugendliche, Eltern und Professionelle.

Einmal mehr wurde deutlich, dass es kein gesondertes extra Angebot für junge Menschen mit Beeinträchtigungen braucht. Auch junge Menschen mit Beeinträchtigungen sind junge Menschen die entscheiden, ob sie ein Angebot interessiert oder nicht, ob sie es annehmen wollen oder nicht. In der Jugendarbeit sollten die Sozialarbeiter*innen jungen Menschen mit Beeinträchtigungen in der selben Offenheit begegnen wie allen jungen Menschen. Sie nehmen sie als verantwortliche junge Menschen und Expert*innen ihrer Lebenswelt ernst. Wie andere junge Menschen auch müssen sie lernen Konflikte adäquat auszutragen und brauchen hierfür Übungsfelder. „Das Jugendhaus ist keine Blase“. Ziel der Arbeit ist es zu erkennen und zu verstehen, wer was braucht und zwischen unterschiedlichen Bedürfnisse zu differenzieren. Das Spektrum möglicher Beeinträchtigungen ist so groß, dass spezielle Kompetenzen in Bezug auf mögliche Beeinträchtigungen nicht umfassend vorgehalten werden können. Wenn sich ein junger Menschen für ein Angebot interessiert muss geklärt werden, wie das Setting (auch unter den bestehenden Rahmenbedingungen) sich gestalten kann, dass eine Teilnahme möglich ist. Der Kopf sollte sich „frei machen“ von zu früh begrenzenden Überlegungen zur Arbeitsorganisation. Themen barrierefrei zu machen ist häufig schwerer als Treppen barrierefrei zu machen.

Auch Eltern von jungen Menschen mit Beeinträchtigungen müssen lernen „ihr“ Kind in die Welt mit allen „Höhen“ und „Tiefen“ loszulassen. Es ist wichtig einen Übergang gemeinsam zu besprechen. Es ist zu fragen woher mögliche Sorgen und Ängste von Eltern kommen und eine verstehende Haltung einzunehmen. Zum Teil begründen sich diese in tiefen Existenzängsten um „ihr“ Kind. Jugendarbeit bietet Raum für junge Menschen. Um diesen Zugang jungen Menschen mit Beeinträchtigung zu eröffnen, kann es anders als sonst regelhaft üblich, auch Absprachen mit den Eltern bedürfen.

Im ersten Treffen hat die Arbeitsgruppe den Arbeitsprozess abgestimmt sowie einen ersten thematischen Impuls gesammelt, welchen Sie im Folgenden stichpunktartig nachlesen können:

  • Erreichen von jungen Menschen mit Beeinträchtigung
    • Erreichen von jungen Menschen mit Beeinträchtigung
    • Betrachten von „Good-Practice-Beispielen“
    • Prüfen wie und ob sich erfolgreiche Handlungsansätze übertragen lassen
    • Angebote der Jugendarbeit auf die Bedarfe von jungen Menschen mit Beeinträchtigungen reflektieren
    • Erreichbarkeit der Einrichtungen prüfen
    • Lebenswelten junger Menschen verstehen
  • Analyse der aktuellen Jugendarbeit, ihrer Ressourcen und Potentiale für junge Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Welche möglichen Stolpersteine gibt es?
  • Wissen über die Lebenswelt von jungen Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Finanzielle Rahmenbedingungen
  • Konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung von Inklusion in der Praxis
  • Assistenzbedarf
  • Pflegeaufgaben, Medikamentengabe
  • Bereitschaft der Mitarbeiter*innen sich damit zu befassen
  • Elterneinbindung