Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Prostituiertenschutzgesetz geht an Realität der Betroffenen vorbei

Zwei Jahre nach der bundesweiten Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes (1. Juli) kommt die Diakonie Hamburg zu folgendem Ergebnis: Den Grundgedanken, die Prostitution zu legalisieren, die Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern sowie den Schutz vor Zwang und Menschenhandel zu stärken, unterstützen wir. Jedoch löst das Gesetz diese Ziele nur zum Teil ein und geht an der Lebensrealität vieler Betroffener vorbei.

Positiv hervorzuheben ist beispielsweise die Durchsetzung der Kondompflicht und weitere Auflagen für Betreiber von Bordellen. Jedoch zeigen Erfahrungen der Fachberatungsstelle Prostitution der Diakonie, dass viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sich nicht anmelden, da sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Manche haben keinen geregelten Aufenthalt, andere sind schlicht mit dem bürokratischen Verfahren überfordert oder haben Angst, sich zu outen. Dies betrifft viele Menschen in der Armuts- und Beschaffungsprostitution. Dadurch verschärft sich ihre prekäre Arbeitssituation. Sie müssen Sanktionen fürchten und lassen sich auf widrige Arbeitsbedingungen ein.

Die Diakonie Hamburg fordert daher die Rücknahme der Anmelde- und Ausweispflicht, die darüber hinaus eine Diskriminierung der Betroffenen darstellt.  Stattdessen sollte das leicht zugängliche, unabhängige und freiwillige Beratungs- und Hilfsangebot ausgebaut werden.

Ein Sexkaufverbot nach dem Vorbild skandinavischer Länder ist nach Ansicht der Diakonie Hamburg kontraproduktiv, da es die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter zwingt verdeckt zu arbeiten und sie damit stärker von Gewalt und Ausbeutung bedroht sind.

Restriktionen und Kriminalisierung sind der falsche Weg. Sexuelle Dienstleistungen sollten als Arbeit anerkannt werden, und Menschen, die diese Dienstleistungen erbringen, sollten mit derselben Würde behandelt werden, wie alle anderen Erwerbstätigen auch.

Dirk Ahrens, Landespastor und Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hamburg: „Es muss alles vermieden werden, was Menschen in der Prostitution stärker in die Illegalität oder an den Rand der Gesellschaft drängt.

Julia Buntenbach-Henke, Einrichtungsleitung Fachberatungsstelle Prostitution: „Viele unserer Klientinnen melden sich nicht an, weil sie Angst haben erkannt zu werden oder weil sie das bürokratische Verfahren nicht verstehen“.

 

Für Rückfragen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

Dr. Korinna Heimann, Diakonisches Werk, Fachbereichsleitung Migration und Frauensozialarbeit, Tel. 040 30620-219

Steffen Becker, Diakonisches Werk, Pressesprecher – Information und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 040 30620-233

Veröffentlicht am 26. Juni 2019


Dirk Ahrens und Julia Buntenbach-Henke zum Prostituiertenschutzgesetz