Diakonie Hamburg

Pressemeldung

25 Jahre Frauenhaus der Diakonie Hamburg: Vielen Frauen wurde geholfen, doch kein Rückgang der Gewalt

Mit einem Festakt in der Flussschifferkirche feiert das Frauenhaus des Diakonischen Werkes Hamburg heute sein 25jähriges Bestehen mit Grußworten von Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonard und Diakoniechef Landespastor Dirk Ahrens. Seit 1992 bietet das Frauenhaus des Diakonischen Werkes Hamburg Frauen und ihren Kindern einen sicheren Ort vor häuslicher Gewalt.

Stefanie Leich, Leiterin des Diakonie-Frauenhauses: „Was uns freut und auch stolz macht: Über 1.200 Frauen mit mehr als 1.400 Kindern fanden in den letzten 25 Jahren die Kraft, sich aus ihren von gewaltgeprägten Beziehungen zu lösen, Zuflucht im Diakonie-Frauenhaus zu suchen und dort erste Schritte auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu gehen. Was uns gleichzeitig sehr bedrückt: Die Zahl der Frauen, die von Gewalt betroffen sind, hat sich seit 25 Jahren nicht verändert. Um künftig häusliche Gewalt wirksam zu bekämpfen, müssen wir den Blick nicht nur auf die Opfer, sondern auch auf die Täter richten. Auch in Hamburg fehlt es hier noch an Prävention und Programmen, die sich direkt an die Täter häuslicher Gewalt richten. Sie benötigen Unterstützung, um ihre Rollenbilder zu verändern und Alternativen zur Gewalt zu entwickeln.“

Während die Rechte von Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, gestärkt wurden und es heute viel mehr Hilfen für die Opfer gibt, nimmt die Gewalt gegen Frauen nicht ab. In Deutschland erlebt jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in Partnerschaft, Ehe und Familie.

Der Hamburger Diakoniechef Landespastor Dirk Ahrens würdigte die Arbeit der Mitarbeiterinnen des Diakonie-Frauenhauses: „Indem Sie den Frauen zur Seite stehen, ihnen Räume eröffnen und halten, Gespräche führen, Zuspruch geben und vieles mehr, kann Heilung passieren und Neues wachsen. So wie Gott uns trägt in und mit allem wie wir sind, so sind Sie für die Frauen und Kinder da, die sich gerade alleine nicht helfen können und begleiten Sie ein Stück auf ihrem Weg der Heilung. Dafür danke ich Ihnen sehr!“ 


Hintergrund

Gewalt gegen Frauen und ihre mitbetroffenen Kinder ist eine anerkannte Menschenrechtsverletzung, gegen die wirksame Maßnahmen getroffen werden müssen.

Politisch zentral für die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen ist die Umsetzung der sogenannten Istanbul-Konvention des Europarates in Deutschland. Sie tritt Anfang 2018 in Deutschland in Kraft und formuliert umfassende Maßnahmen zur Prävention von Gewalt gegen Frauen sowie zum Schutz der Opfer: Unter anderem sind psychologische Betreuung, Maßnahmen zum Abbau stereotyper Geschlechterrollen und Zugang zu Schutzmöglichkeiten festgeschrieben. Die bisherigen Maßnahmen reichen jedoch nicht aus. Artikel 11 sieht eine umfassende Datensammlung und Forschung zu häuslicher Gewalt vor, Artikel 10 verpflichtet die Regierungen, eine Koordinierungsstelle zu errichten, die eine Beobachtung, Bewertung und Analyse der Maßnahmen vornimmt. Die Diakonie fordert von der Bundesregierung angesichts des nach wie vor hohen Niveaus häuslicher Gewalt gegen Frauen eine schnelle Errichtung einer solchen Koordinierungsstelle, damit die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit geprüft werden können.

Für Rückfragen stehen Ihnen Stefanie Leich, Leiterin des Frauenhauses des Diakonischen Werkes Hamburg unter 040-192 51 und Dr. Korinna Heimann, Fachbereichsleiterin Migrations- und Frauensozialarbeit im Diakonie-Hilfswerk Hamburg, unter 040 / 30 62 0 -219 gerne zur Verfügung.

Veröffentlicht am 11. September 2017



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