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Porträt der Lebensgemeinschaft Brot & Rosen

Probleme rund um Flucht und Asyl sichtbar zu machen und Betroffenen ein Zuhause auf Zeit zu bieten – das ist das Hauptanliegen der privaten christlichen Lebensgemeinschaft Brot & Rosen.

„Menschen kann man nicht wie Päckchen hin und her schicken“, sagt Ilona Gaus, Mitglied der Lebensgemeinschaft. Sie denkt dabei zum Beispiel an die Libyen-Flücht­linge, die in Hamburg gestrandet sind. Drei Menschen aus dieser Gruppe leben zurzeit im Haus von Brot & Rosen. Sie stammen aus unterschiedlichen afrikanischen Staaten, waren als Arbeitsmigranten in Libyen, bis sie dort als Söldner Gaddafis verdächtigt und verfolgt wurden. Dann flohen sie nach Italien und wurden von dort ohne Asylverfahren nach Hamburg geschickt. Formal ist die Hansestadt für sie nicht zuständig. Das Dublin-II-Verfahren von 2003 regelt, dass der Staat für die Prüfung eines Asyl­antrages zuständig ist, in dem ein Flüchtling die Außengrenze der EU übertritt.

In solchen und ähnlichen Fällen bietet Brot & Rosen obdachlosen Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit – unabhängig von deren sozialrechtlichen Ansprüchen. „Wir haben uns dafür ent­schie­den, solidarisch mit Flüchtlingen zu leben“, erklärt Dietrich Gerstner das Engagement. Die Menschen sollen frei von existenzieller Not und Sorge in der Gemeinschaft leben können und ihre Kraft in das stecken, was sie erreichen wollen. Wer in das große, rote Backsteinhaus im Stadtteil Bramfeld einzieht, kann erst einmal durchatmen und neue Perspektiven entwickeln.

Sechs Erwachsene mit fünf Kindern bilden die Kern­gemein­schaft – den Alltag mit Flüchtlingen zu teilen ist ihr Lebensmodell. Drei freiwillige Helfer unterstützen das Projekt und leben jeweils für längere Zeit in dem ange­mie­teten ehemaligen Gemeindehaus mit. Bis zu acht Flüchtlinge kann Brot & Rosen aufnehmen. Manche Gäste bleiben nur wenige Tage, andere mehrere Jahre.

Der Lebensunterhalt der Gäste wird durch Spenden finanziert. Die Gastgeber gehen einer Arbeit nach und haben sich zu einem einfachen Leben entschlossen. Alle Ent­schei­dungen treffen sie gemeinsam und legen Wert auf Unabhängigkeit und Selbst­bestimmung.

Zurzeit ist das Haus komplett belegt – sogar die zwei kleinen Zimmer, die für Notfälle reserviert sind. Zu den Mitbewohnern zäh­len neben den Afrikanern eine Kurdin, ein Roma aus Serbien sowie Men­schen aus Honduras und dem Iran. So sind unter­schiedliche Kulturen und Religionen unter einem Dach vereint.

Alle helfen mit: kochen, putzen und kaufen ein. Sie kommen ins Gespräch, teilen Freud und Leid. Und sie feiern Feste. „Wir wollen nicht nur Brot, sondern auch Rosen“, sagt Dietrich Gerstner, ein Gründungs­mitglied des Engagement­projekts, das 1996 in Hamburg startete. „Brot“ stehe für das Lebensnotwendige, „Rosen“ für die Freude. Inspirieren ließen sich die Gründer durch christliche Gemeinschaften, die sie selbst auf Reisen in den USA erlebt hatten. Darunter waren die sogenannten „Häuser der Gastfreundschaft“, die sozial Benach­teiligte aufnehmen und sich für ihre Belange einsetzen.

„Migration ist eine Tatsache und muss gestaltet werden. Wir wollen ermutigen, damit aktiv umzugehen“, berichtet Dietrich Gerstner. Deshalb engagiere sich die Gemein­schaft zusätzlich in der Hamburger Flüchtlingsarbeit. „Wir wollen auf die menschliche Seite aufmerksam machen“, betont Ilona Gaus. Gern möchte sie anderen ein Vorbild geben: „Es wäre schön, wenn mehr Hamburger ihren Wohnraum mit Flüchtlingen teilen würden – zum beiderseitigen Vorteil.“

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Bettina Clemens

Migration, Flucht und Interkulturelle Arbeit
Diakonisches Werk Hamburg
Königstraße 54
22767 Hamburg
Marja van-Harten, Diakonie Hamburg

Marjan van Harten

Migration, Flucht und Interkulturelle Arbeit & Kita-Einstieg
Diakonisches Werk Hamburg
Königstraße 54
22767 Hamburg

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