Diakonie Hamburg
Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA)
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Anerkennung von Berufen heißt auch Anerkennung von Menschen!

Lupe

„Wir reden nicht nur von Integration, sondern wir handeln auch entsprechend.“ Mit diesem Leitgedanken eröffnete Arbeits-und Integrations Senator Detlef Scheele die Fachveranstaltung zum neuen Anerkennungsgesetz vor 200 Gästen in der Handwerkskammer Hamburg. Das neue Bundesgesetz ist am 1. April 2012 in Kraft getreten. Die Veranstaltung, initiiert durch die Handwerkskammer Hamburg mit ihrem Projekt NOBI (Norddeutsches Netzwerk zur beruflichen Integration von Migranten) und dem Diakonischen Werk Hamburg mit ihrem Projekt „Zentrale Anlaufstelle Anerkennung“ (ZAA) informierte insbesondere über die Verbesserungen der Anerkennung ausländischer Abschlüsse vermittelte aber auch den politischen Stellenwert.

Diesen Stellenwert griff Senator Scheele auf und erinnerte, dass Hamburg schon 2010 die ZAA und ein Stipendienprogramm auf den Weg gebracht hatte. „Ich bin zuversichtlich, dass Hamburg mit den zusätzlichen Maßnahmen des Arbeitsmarktprogrammes und dem Landesanerkennungsgesetz die Anerkennung ausländischer Abschlüsse möglich macht. So wird Hamburg für hier lebende und noch kommende Menschen mit Migrationshintergrund attraktiv und zukunftsfähig.“

Den politischen Stellenwert des Anerkennungsgesetzes diskutierte eine Expertenrunde mit Vertreterinnen und Vertretern der Handelskammer, Handwerkskammer, des Diakonischen Werkes, der Türkischen Gemeinde, der Arbeitsagentur und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. In der Runde betonte Heinrich A. Rabeling, Geschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg: „Das Hamburger Handwerk begrüßt das neue Anerkennungsgesetz und hofft, auf diese Weise neue Fachkräfte zu gewinnen.“ Gabi Brasch, Vorstand im Diakonischen Werk, zeigte sich erfreut über die Vorreiterrolle, die Hamburg bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse einnimmt. Aber sie warnte auch vor enttäuschten Hoffnungen: „Das Gesetz öffnet vielen Menschen mit ausländischen Abschlüssen die Türen zum Arbeitsmarkt. Es weckt damit große Hoffnungen. Doch viele werden es nicht über die Türschwelle schaffen.“

In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass ein Zugang zum Anerkennungsverfahren alleine noch lange nicht zur Anerkennung führt. Die Betroffenen benötigen auch Unterstützung bei Qualifizierungen. Zwar können Arbeitsagentur und Jobcenter für ihren Kundenkreis auch Kosten übernehmen, aber eben auch nicht für alle Betroffenen. Die Expertenrunde war sich einig, dass die Lage in Hamburg mit dem Stipendienprogramm viel besser aussieht. Aber welche Wirkung das Anerkennungsgesetz im Rest Deutschlands entfalten wird, sei völlig offen.

Rund um den Start des Anerkennungsgesetzes erhielt das Publikum noch eine Reihe wichtiger Informationen: Das am 1. April in Kraft getretene Gesetz ermöglicht künftig allen Menschen mit ausländischen Abschlüssen unabhängig von der Staatsangehörigkeit, einen Antrag auf Anerkennung oder Gleichwertigkeitsprüfung ihres Abschlusses zu stellen. Allerdings gilt es nur Berufe, die durch Bundesrecht geregelt werden (z.B. handwerkliche oder kaufmännische Ausbildungsberufe, Gesundheitsfachsberufe, juristische Berufe). Für landesrechtliche geregelte Berufe wie Ingenieur, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher wird Hamburg noch im Laufe des Jahres ein eigenes Landesanerkennungsgesetz verabschieden. Dies soll auch einen Rechtsanspruch auf Beratung enthalten. In Hamburg wird dieser Rechtsanspruch zur Zeit durch die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung abgedeckt. An diese Stelle, die seit 1. Oktober 2010 im Diakonischen Werk Hamburg angesiedelt ist, können sich alle Menschen mit Fragen rund um die Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse wenden. Schon über 1.000 Menschen aus über 100 Herkunftsländern haben dieses durch die Stadt Hamburg sowie den Europäischen Sozialfonds finanzierte Angebot der Information und Beratung genutzt. Auch über das bundesweite Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ werden bundesweit Anlaufstellen aufgebaut. Ein wichtiger Baustein ist auch das Portal Anerkennung (www.anerkennung-in-deutschland.de) oder die Hotline (030 -18 15 11 11 ) für Anerkennungssuchende beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Hintergrund zum Anerkennungsgesetz
In Deutschland leben fast 3 Millionen Menschen mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss. Die Bundesregierung schätzt, dass davon rund 300.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland vom neuen Anerkennungsgesetz profitieren können. Sie haben Berufsabschlüsse aus ihren Heimatländern mitgebracht, die bisher in Deutschland formal nicht anerkannt wurden. Experten gehen davon aus, dass Menschen mit Migrationshintergrund genau aus diesem Grund oft unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, in schlecht bezahlten Jobs arbeiten oder ohne Arbeit sind.

Seit 1. April 2012 ist das “Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen” in Kraft. Dieses beinhaltet das „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“, das vor allem für die Ausbildungsberufe im kaufmännischen oder handwerklichen Bereich erstmals überhaupt Möglichkeiten zur Anerkennung oder Gleichwertigkeitsprüfung schafft. Außerdem hat das Gesetz zur Folge, dass künftig alle Antragstellerinnen und –steller unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit die Möglichkeit haben, in allen Berufen, die durch Bundesrecht geregelt werden, einen Antrag auf Anerkennung zu stellen. Die Bundesländer haben vereinbart, auch für landesrechtlich geregelte Berufe eigene vergleichbare Anerkennungsgesetze zu verabschieden.

Im Anerkennungsverfahren werden die ausländischen Abschlüssen mit den entsprechenden deutschen Abschlüssen verglichen. Wenn die Abschlüsse gleichwertig sind, erfolgt eine Anerkennung. Dabei wird nach der neuen Rechtslage nicht nur der formale Abschluss berücksichtigt, sondern auch die Berufserfahrung. Im Falle von Abweichungen in der Gleichwertigkeit erfolgt bei gravierenden Mängeln eine Ablehnung des Antrags. Sind die Mängel durch Qualifizierungsmaßnahmen ausgleichbar, erhalten die Antragstellerinnen und Antragsteller die Auflage, vor der Anerkennung dieses Defizite auszugleichen. Dies erfolgt in vielen Fällen entweder durch eine Prüfung, in der die Qualifikation nachgewiesen wird, oder einen Anpassungsqualifizierung, mit der die Lücken in der Qualifikation geschlossen werden.

Hintergrund zu den Veranstaltern
Das Regionale Netzwerk NOBI (Norddeutsches Netzwerk zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten) wird durch die Handwerkskammer Hamburg koordiniert. Ihm gehören außerdem ASM e.V., basis & woge e.V. sowie der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. an. Es ist Teil des bundesweiten Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird.

Die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung ist ein Projekt des Diakonischen Werk Hamburg. Unter anderem berät die ZAA Menschen mit ausländischen Schul-, Berufs- und Studienabschlüssen. Die Beratung ist kostenlos und vertraulich und wird in verschiedensten Sprachen angeboten. Das Projekt wird durch die Freie und Hansestadt Hamburg sowie den Europäischen Sozialfonds finanziert.