Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Zwei Jubiläen unter einem Dach: 50 Jahre Diakonie-Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose / 10 Jahre Diakonie-Zentrum für Wohnungslose

Eine Frau spricht vor vielen Zuhörern in einem Raum Lupe Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard würdigte TAS und DZW als Ort der Begegnung (Foto: Diakonie/Johan Graßhoff)

Am 14. September feierte die Diakonie-Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose (TAS) ihr 50jähriges Bestehen – als Teil des Diakonie-Zentrums für Wohnungslose (DZW), das gleichzeitig 10 Jahre alt wird.

Im DZW sind neben der TAS die Hilfsangebote des Mitternachtsbusses, der Straßensozialarbeit, der hausärztlichen Sprechstunde und von „Perspektiven in Europa schaffen – Social Bridge“ zu finden. Alle fünf Projekte unterstützen seit vielen Jahren wohnungslose Menschen in ihrer Lebenssituation durch Beratung, Existenzsicherung, lebenspraktische Hilfen, medizinischen Beistand oder Begleitungen.

An der Festveranstaltung nahmen neben rund 100 Gästen auch Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard, Bischöfin Kirsten Fehrs, Landespastor Dirk Ahrens und Prof. Dr. Harald Ansen vom Department Soziale Arbeit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften teil. In Ihrem Grußwort bezeichnete Leonhard Tagesaufenthaltsstätte und Diakonie-Zentrum für Wohnungslose als wichtigen Ort der Begegnung. Fehrs betonte, die beiden Einrichtungen seien noch heute ein Seismograph des gesellschaftlichen Klimas in Hamburg. Ahrens hob hervor, die Tagesaufenthaltsstätte stehe seit 50 Jahren verlässlich an der Seite von wohnungslosen Menschen und habe sich immer wieder neu an die Realität auf der Straße eingestellt: "Das Diakonie-Zentrum für Wohnungslose ist mit seinen vielfältigen Angeboten ein echtes Kompetenzzentrum." Und Prof. Ansen würdigte aus sozialwissenschaftlicher Perspektive die Arbeit der Tagesaufenthaltsstätte und aller Angebote des DZW.

Für die Besucherinnen und Besucher der Einrichtungen gab es bereits eine Woche lang eine kulinarische Reise durch die häufigsten Herkunftsländer der wohnungslosen Besucherinnen und Besucher des DZW. Uwe Martiny, Leiter der TAS: „Wir haben jeden Tag für bis zu 150 Personen ein 3-Gänge-Menü gekocht, aus Bulgarien, Deutschland, Polen und Rumänien. Die Leute waren begeistert und standen bis auf die Straße.“

Für Rückfragen steht Ihnen Peter Ogon, Fachbereichsleiter Existenzsicherung im Diakonie-Hilfswerk Hamburg, unter 040 / 30620-309 gern zur Verfügung.


Hintergrund

Fakten DZW
Unter dem Dach des Diakonie-Zentrums für Wohnungslose in Eimsbüttel sind verschiedene Angebote vereint:
• Tagesaufenthaltsstätte mit sozialer Beratung in verschiedenen Sprachen, Mittagessen, Duschen, Waschmaschinen und Freizeitangeboten wie PC-Raum, Leseecke, Fußballmannschaft und Konzerten
• Hausärztliche Sprechstunde
• Straßensozialarbeit mit mobiler Sozialarbeit in der Hamburger Innenstadt
• Perspektiven in Europa schaffen (Social Bridge), ein Modellprojekt für EU-Zugewanderte in prekären Lebenssituationen, mit sozialer Beratung und Begleitung in verschiedenen osteuropäischen Sprachen
• die Zentrale des Mitternachtsbusses, einem mobilen Angebot für Obdachlose in der Innenstadt, mit Notversorgung und Ehrenamtlichen an Bord für Kontakt und Vernetzung mit weiteren Hilfeangeboten
Die Projekte sind aufeinander abgestimmt und tragen dazu bei, Menschen auf der Straße Hilfestellung und Perspektiven für eine Integration in die Gesellschaft zu bieten. Dabei wird ein Großteil der Arbeit aus Spenden finanziert.

Fakten TAS 2017
• Es wurden 23.718 Mahlzeiten ausgegeben, pro Öffnungstag 112 Mahlzeiten.
• 21.353 Mal ist die TAS von den Gästen genutzt worden, das sind durchschnittlich 101 Gäste pro Öffnungstag.
• Die Duschen wurden 6.275 Mal benutzt, fast 30-mal pro Öffnungstag.
• 740 Beratungskontakte für 394 Klientinnen und Klienten wurden dokumentiert.
• Im Durchschnitt nutzten 326 Menschen pro Monat das Haus als Postadresse.
• In den medizinischen Sprechstunden gab es 490 Konsultationen.
• 34 Mal fand der Deutschkurs statt. Im Durchschnitt hatte er 13,4 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
• Die PC-Sprechstunde wurde insgesamt 828 Mal genutzt, im Schnitt 10,2 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Öffnungstag.

Geschichte
Bereits 1958 unterstützte das Diakonische Werk Hamburg wohnungslose Menschen und richtete einen Tagesaufenthalt in der Budapester Straße ein. Entstanden war das Angebot aus der Lagerseelsorge nach dem 2. Weltkrieg. Viele Menschen waren nach dem 2. Weltkrieg ausgebombt, heimatlos oder geflüchtet. Ein Teil von ihnen verpasste den Anschluss an das Wirtschaftswunder und lebte noch Anfang der 60ziger Jahre in der Lagerunterbringung. 1968 ist die Einrichtung der Tagesstätte in die Bundesstraße umgezogen. Der Bedarf, Hilfen für Wohnungslose anzubieten, war immer noch groß, in der Öffentlichkeit und bei den Ordnungshütern wurde der Personenkreis mit Tippelbrüder, Bettler, Landstreicher und Asoziale ausgegrenzt. An den Öffnungstagen kamen weit über 300 Besucher in den Tagesaufenthalt. Im Laufe der Zeit wandelte sich der Umgang mit den Betroffenen. Die Durchsetzung der Rechte der Betroffenen rückte in den Mittelpunkt, es ging um Teilhabe, Wohnungsversorgung und Normalisierung der Lebensverhältnisse. Das Diakonische Werk reagierte auf die sich ändernden Rahmenbedingungen, neue Projekte entstanden. 1984 organisierte das Diakonische Werk mit Feldbetten den ersten provisorischen Erfrierungsschutz im Winter, Vorläufer des jetzigen Winternotprogrammes. In den 90ziger Jahren entstanden der Mitternachtsbus und die Hausärztliche Sprechstunde für Wohnungslose, ebenso wie der Bau von Kirchenkaten. 2002 initiierte das Diakonische Werk die Straßensozialarbeit für obdachlose Menschen in der Hamburger Innenstadt.

2008 wurde das alte Gebäude der Tagesstätte abgerissen, dies war durch den Neubau des Agaplesion Diakonieklinikums notwendig geworden und die Arbeit der Wohnungslosenhilfe der Diakonie erhielt einen neuen Ort, mit gleicher Adresse und besser ausgestatteten Räumen. Ergänzt wurde die Arbeit 2013 durch ein spezielles Projekt für wohnungslose EU-Bürger. Aus diesem Projekt und den vorhandenen Erfahrungen entstand auch die Fachstelle Zuwanderung Osteuropa, die nun in Hamburg Altona Beratung anbietet und im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose das EU Projekt Social Bridge.

Veröffentlicht am 14. September 2018