Zum Europäischen Tag gegen Menschenhandel (18. Oktober) warnt die Diakonie Hamburg, dass nach den Erfahrungen der Beratungsstelle FairLove im Durchschnitt etwa ein Mädchen pro Schulklasse gefährdet ist, Opfer eines sogenannten Loverboys zu werden. Bei Loverboys handelt es sich um Männer, die gezielt eine Liebesbeziehung zu einem minderjährigen Mädchen oder einer jungen Frau eingehen, mit dem Ziel sie in die Prostitution zu zwingen.
Menschenhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung ist keineswegs ein Randproblem. Nach dem Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung 2025 wurden im vergangenen Jahr bundesweit 391 Ermittlungsverfahren abgeschlossen – ein Höchststand innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Auch bei dem Beratungs- und Präventionsprojekt „FairLove“ sind die Beratungszahlen kontinuierlich gestiegen: 487 im Jahr 2025 (2024: 284 Beratungen).
Die Klientinnen von FairLove sind zwischen 12 und 21 Jahre alt und kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Sie werden häufig in sozialen Netzwerken, oder in Bars und Clubs von den Tätern angesprochen. Die Treffen mit den Freiern finden meist in privaten Wohnungen oder Hotels statt.
Als Maßnahmen schlägt die Diakonie Hamburg vor:
- mehr Präventionsangebote für Schüler*innen
- verpflichtende Schulungen für Fachkräfte in Jugendämtern, Schulen, Polizei und Unterkünften
- mehr aufsuchende Beratung in Prostitutionsstätten und digitalen Räumen
- Schutzwohnungen für Betroffene, vor allem für Minderjährige
- eine verbindliche Hamburger Kooperationsstruktur zwischen Behörden und spezialisierten Fachberatungsstellen mit klaren Verfahren zur Identifizierung und Weiterleitung von Betroffenen
- Einrichtung einer speziellen Anlaufstelle bei der Polizei für minderjährige Betroffene
- stärke Sensibilisierung von Freiern für Ausbeutung und Menschenhandel
Annika Woydack, Landespastorin und Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hamburg: „Der Kampf gegen Menschenhandel ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat und Zivilgesellschaft. Prävention sollte auch bei Jungen und Männern ansetzen: es geht um Vorstellungen von Männlichkeit, Anspruchsdenken, Sexualität, Grenzen, Einvernehmlichkeit und die Frage, was es bedeutet, sexuelle Dienstleistungen zu kaufen.“
Anne, Leitung des Projekts FairLove: „Politik und Gesellschaft müssen anerkennen, dass es innerstaatlichen Menschenhandel in Hamburg gibt - auch von minderjährigen Mädchen.“
Hintergrund
Das Projekt FairLove ist eine Anlaufstelle für 12- bis 21-jährige Betroffene der sogenannten Loverboy-Methode. Neben der kostenlosen und anonymen Beratung der Mädchen und jungen Frauen und ihren Angehörigen, unterstützen die Sozialarbeiterinnen aus dem Projekt beim Ausstieg und vermitteln ins Hilfesystem. Des Weiteren haben Angehörige im Rahmen eines Gruppenangebots einen geschützten Raum für einen gemeinsamen Austausch. In Aufklärungsworkshops an Schulen, Wohngruppen und Jugendzentren oder bei aufsuchender Arbeit werden Schüler*innen für das Thema sensibilisiert. Auch Fachkräfte können sich an das Projekt wenden, wenn sie den Verdacht haben eine Schutzbefohlene unter ihrer Obhut wird zur Prostitution gezwungen.
Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Wiebke Dördrechter, Referentin Öffentlichkeitsarbeit, 040-30620-384, w.doerdrechter@diakonie-hamburg.de
