Frauenhäuser sind Kinderschutzhäuser - rund die Hälfte der Bewohner*innen sind Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig steigt der Anteil der Kinder mit erhöhtem Förder- und Unterstützungsbedarf.
Wenn eine Mutter mit ihren Kindern in ein Frauenhaus flieht, endet die Gewalterfahrung nicht mit dem Einzug. Kinder haben Gewalt häufig selbst erlebt oder miterlebt. Viele kommen mit Ängsten, Unsicherheiten und erheblichen emotionalen Belastungen in die Einrichtung. Bei einem Teil der Kinder zeigen sich darüber hinaus Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten oder ein erhöhter Bedarf an pädagogischer, therapeutischer oder schulischer Unterstützung. Der Anteil dieser Kinder ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Mitarbeiterinnen stehen damit zunehmend vor der Herausforderung, nicht nur Frauen Schutz zu bieten, sondern auch Kinder mit besonderen Belastungen umfassend zu begleiten. Lange Wartezeiten bei therapeutischen Angeboten verschlimmern die Situation. Damit trifft der Sparkurs der Politik auch diese vulnerable Gruppe.
Besonders herausfordernd ist zudem, dass Kinder in Frauenhäusern häufig aus ihrem bisherigen Alltag herausgerissen werden. Sie müssen sich an eine neue Umgebung gewöhnen, verlieren ihr gewohntes Zuhause und müssen möglicherweise gleichzeitig einen Schul- oder Kitawechsel bewältigen. Hinzu kommen die Folgen der erlebten Gewalt. Sie brauchen die Chance, sich wieder sicher zu fühlen, Vertrauen aufzubauen und sich gesund zu entwickeln.
Annika Woydack, Landespastorin und Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hamburg: „Immer mehr Kinder brauchen Unterstützung. Der Schutz vor Gewalt funktioniert nur dann, wenn Kinder gleichzeitig die Unterstützung bekommen, die sie wirklich brauchen. Dafür müssen genug gut ausgebildete Fachkräfte da sein, Kinder leicht Zugang zu Therapie und pädagogischen Angeboten haben und die Zusammenarbeit zwischen Kitas, Schulen, Jugendhilfe und anderen Diensten deutlich besser werden.“
Nadine, Leiterin des Frauenhauses der Diakonie: „Kinder sind keine Nebenbetroffenen von häuslicher Gewalt – sie sind selbst Betroffene. Sie brauchen einen geschützten Ort, aber ebenso verlässliche Beziehungen, individuelle Förderung und professionelle Unterstützung. Die Anforderungen an die Frauenhäuser wachsen deshalb deutlich.“
Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Wiebke Dördrechter, Referentin Öffentlichkeitsarbeit, 040-30620-384, w.doerdrechter@diakonie-hamburg.de
