Wie die heute veröffentlichte Statistik zu untergebrachten wohnungslosen Personen zeigt, verzeichnet Hamburg mit insgesamt 32.765 Betroffenen einen leichten Anstieg zum Vorjahr und bleibt damit Spitzenreiter im Bundesvergleich. Stefanie Koch, Wohnungslosenexpertin der Diakonie, erklärt, dass die spezifischen Bedarfe von Frauen in der Wohnungslosenhilfe stärker berücksichtigt werden müssen, da sie fast die Hälfte der Betroffenen ausmachen. Die aktuelle Hitze verschärft die Belastung für Frauen und Kinder in den Unterkünften zusätzlich.
Der Übergang in regulären Wohnraum gelingt oft nicht. Für viele Frauen wird die Notunterkunft so zur unfreiwilligen Dauerlösung – unter Bedingungen, die ihren spezifischen Bedürfnissen nicht gerecht werden. „Die Wohnungslosenhilfe berücksichtigt die Lebensrealität von Frauen bislang zu wenig“, erklärt Stefanie Koch, Wohnungslosenexpertin der Diakonie. „Unterkünfte sind häufig nicht auf Schutz, Privatsphäre und Sicherheit ausgelegt. Gerade für Frauen mit Gewalterfahrungen ist das ein großes Problem.“
In Hamburg sind 14.865 der in Unterkünften lebenden wohnungslosen Menschen Frauen. 7.810 von ihnen leben bereits seit mehr als zwei Jahren in einer Unterkunft. Dort fehlen spezialisierte Angebote in ausreichender Zahl. Frauen, die beispielsweise häusliche oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, finden in gemischt belegten Unterkünften oft keinen sicheren Rahmen. Auch alleinerziehende Mütter bleiben mangels geeigneter Wohnangebote überdurchschnittlich lange im Hilfesystem. Sind die Notübernachtungsplätze für Frauen ausgelastet, werden sie teilweise in gemischten Einrichtungen untergebracht – trotz möglicher Gewalterfahrungen in der Vergangenheit.
„Dass Frauen mit Kindern in Unterkünften mit Gemeinschafts-Sanitäranlagen untergebracht werden, zeigt den akuten Handlungsbedarf“, so Stefanie Koch. „Ihre spezifischen Bedürfnisse müssen systematisch berücksichtigt und in den Mittelpunkt gestellt werden.“
Die Diakonie empfiehlt einen konsequenten Ausbau geschützter, separater Wohneinheiten für Frauen mit Gewalterfahrungen. Alleinerziehende sollten vorrangig mit Wohnraum versorgt werden. Feste Wohnungskontingente für Frauen würden den Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit für diese besonders schutzbedürftige Gruppe beschleunigen.
Für weitere Informationen steht Ihnen Stefanie Koch, T.: 040-30620221, E-Mail: koch@diakonie-hamburg.de zur Verfügung.
Hintergrund:
In der Statistik werden verschiedene Unterbringungsformen erfasst. In Unterkünften und Wohncontainern teilen sich die Bewohner*innen häufig die Küchen und Sanitäranlagen gemeinschaftlich. Auch in Modulbauten stehen meist nur einzelne Zimmer mit gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen und Küche zur Verfügung. Als abgeschlossener Wohnraum gelten insbesondere reguläre Wohnungen, die im Rahmen der Unterbringung jedoch enger belegt sind.
