„Das Hilfesystem kann diesen Menschen keinen Unterbringungsplatz und somit keine Alternative zum Schlafen auf der Straße bieten“, sagt Stefanie Koch, Wohnungslosenexpertin der Diakonie Hamburg. Obdachlosigkeit sollte durch frühzeitige Maßnahmen besser verhindert werden.
Die Zahl der Räumungsklagen ist hoch
„Die angespannte Lage im Hilfesystem könnte durch mehr Prävention entschärft werden“, sagt Koch. „Die Fachstellen müssten personell verstärkt werden. Außerdem gab es im letzten Jahr 3.152 Räumungsklagen. Das zeigt aus meiner Sicht, dass Prävention nicht ausreichend greift.“
Der Wegfall von Unterkünften verschärft den Engpass
In den kommenden Monaten werden beispielsweise Hotelunterbringungen, die zuvor als öffentlich-rechtliche Unterkünfte zur Verfügung standen, aus Kostengründen beendet. Damit sinkt die Zahl der für Wohnungsnotfälle verfügbaren Plätze weiter. Im Januar 2026 warteten bereits 1.118 Einzelpersonen und 274 Familien auf einen Unterkunftsplatz, viele von ihnen seit Monaten. Für die Betroffenen erhöht sich das Risiko, dauerhaft auf der Straße zu landen.
Hilfesystem am Limit
Die Fachstellen für Wohnungsnotfälle arbeiten seit Langem an der Belastungsgrenze. Fehlende Kapazitäten, überfüllte Wartelisten und monatelange Vermittlungszeiten führen dazu, dass das System seine Schutzfunktion kaum noch erfüllen kann. „Wir erleben eine strukturelle Überlastung der Fachstellen für Wohnungsnotfälle und der öffentlich-rechtlichen Unterbringung, die sich mit dem Ende des Winternotprogramms weiter zuspitzt“, so Stefanie Koch von der Diakonie.
Kältenotfallplan für extreme Wetterlagen
Angesichts der nahezu vollständigen Auslastung des Winternotprogramms zu Jahresbeginn fordert Koch zusätzliche Maßnahmen: „Ein Kältenotfallplan würde sicherstellen, dass bei extremen Temperaturen kurzfristig zusätzliche Angebote bereitgestellt und Öffnungszeiten erweitert werden könnten – transparent, planbar und finanziell abgesichert“, so Koch. Träger könnten so frühzeitig Notfallangebote vorbereiten und verhandeln, damit diese auch verlässlich refinanziert werden.
Für weitere Informationen steht Ihnen Stefanie Koch, T.: 040-30620221, E-Mail: koch@diakonie-hamburg.de zur Verfügung.
