Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Corona-Krise: Reemtsma finanziert Einzelunterkünfte für bis zu 250 Hamburger Obdachlose

Lupe

Hamburg, 08.04.2020. Zur weiteren Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus (SARS-CoV-2) und weiterer COVID-19-Erkrankungen in Hamburg unterstützt die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH lokale Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Konkret stellt das Hamburger Traditionsunternehmen insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung, um damit bis zu 250 wohnungslosen Menschen in Hamburg in der aktuellen Corona-Krise für zunächst rund vier Wochen eine sichere, hygienische und menschenwürdige Einzelunterbringung zu ermöglichen. Das Geld geht zu gleichen Teilen an das integrative Obdachlosenhilfsprojekt Hinz&Kunzt sowie die Alimaus – Tagesstätte für Obdachlose und bedürftige Menschen. Beide Einrichtungen organisieren gemeinsam mit ihrem Partner Diakonie Hamburg die Unterbringung in Hotels, die bereits in der Vergangenheit mit der Hamburger Sozialbehörde kooperiert haben. Die ersten Unterkünfte sind bereits bezogen. Das Engagement umfasst nach Möglichkeit auch eine regelmäßige Essensversorgung, Bereitstellung von Hygieneartikeln und sauberer Kleidung sowie Betreuung durch Sozialarbeiter.

Jenen helfen, die kein Zuhause haben

Laut letzter Obdachlosenbefragung der Hamburger Sozialbehörde gelten rund 2.000 Menschen in der Hansestadt als obdachlos, Dunkelziffer unbekannt. Ihr harter Alltag ist durch die Corona-Krise und die notwendigen Schließungen oder Einschränkungen wichtiger Hilfsangebote im gesamten Stadtgebiet noch deutlich härter geworden. Vor allem kommt es zurzeit darauf an, auch Obdachlose vor einer Ansteckungsgefahr zu schützen und deshalb möglichst kleinteilig unterzubringen.

„Soziale Distanz lautet das Gebot der Stunde. Wer kann, bleibt zuhause, um zu helfen. Doch nicht alle von uns können zuhause bleiben, weil sie ganz einfach kein Zuhause haben. Als Hamburger Traditionsunternehmen mit 110-jähriger Geschichte fühlen wir uns unserer Stadt zutiefst verbunden. Deshalb helfen wir gemeinsam mit Hinz&Kunzt und Alimaus jenen, die gerade jetzt ganz massiv betroffen sind und unsere volle Unterstützung brauchen“, betont Michael Kaib, Sprecher des Reemtsma-Vorstands.

Besonders betroffen, doch oft vergessen

Das Leben auf der Straße zehrt besonders in der kalten Jahreszeit am Gesundheitszustand vor allem älterer Obdachloser. Die Folge: Nicht wenige leiden bereits an Grunderkrankungen, die sie besonders anfällig machen für eine Infektion mit dem Corona-Virus. Zudem ist das Rauchen unter Obdachlosen überdurchschnittlich stark verbreitet. Laut Robert Koch-Institut gehören sie damit zur Risikogruppe für einen möglicherweise erschwerten COVID-19-Krankheitsverlauf.

Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter von Hinz&Kunzt: „Dank der großen Spende haben wir endlich das Geld, das machen zu können, was wir von der Behörde gefordert haben: Menschen in Einzelzimmern in Hotels unterbringen. Denn die Obdachlosen brauchen dringend eine Unterbringung, bei der sie Abstand halten können. Im Winternotprogramm ist bisher die Einzelunterbringung kein Standard. Und die Menschen müssen jeden Tag für mehrere Stunden die Einrichtungen verlassen. Dabei besteht ebenfalls die Gefahr, dass sie sich anstecken und das Virus in die Sammelunterkünfte mitbringen. Wir befürchten, dass es sich dort wie in Altenheimen ungebremst verbreiten könnte."

Dr. Kai Greve, Alimaus: „Wir sind dankbar, dass wir in diesen vor allem für die Obdachlosen schweren Zeiten neben unserem eingeschränkten Versorgungsangebot durch die großzügige Spende nun auch mithelfen können, Obdachlose in sie schützende Einzelzimmer in Hotels unterbringen zu können. Neben der täglichen Essensausgabe zwischen 12.00 Uhr und 13.30 Uhr am Eingangsbereich zur Alimaus fährt täglich auch der Kältebus mit kaltem und warmem Essen sowie Getränken durch Altona, Schanzenviertel und St. Georg und versorgt diejenigen, die nicht zu den üblichen Ausgabestellen für Bedürftige gelangen können. Daneben ist die nun mögliche Unterbringung das drängendste Versorgungsproblem für diejenigen, die keinen Rückzugsraum haben.“

Dirk Ahrens, Landespastor und Leiter des Diakonischen Werks Hamburg: „Unser allerherzlichster Dank gilt dem Unternehmen Reemtsma, das dieses großartige Kooperationsprojekt durch seine Unterstützung möglich macht. Seit letztem Freitag koordinieren wir die Unterbringung und beinahe täglich gibt es neue Partner: Neben den Genannten sind jetzt auch die Caritas und die Hoffnungsorte Hamburg an Bord. Wir würden uns freuen, wenn weitere Organisationen und Initiativen hinzukommen würden. Besonders wichtig für den Erfolg sind natürlich alle Hotels, die mitmachen. Auch Ihnen großen Dank! Sie alle gemeinsam schützen Menschen, die zu den verletzlichsten Gruppen unserer Gesellschaft gehören! Das ist ein starkes Signal der Ermutigung und Unterstützung auch an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung."

Ein Jahrhundert soziales Engagement in Hamburg

Das Engagement für soziale Belange ist bei Reemtsma fast genauso alt wie das Unternehmen selbst. Was schon in den 1920er-Jahren mit der Fürsorge für die Reemtsma-Belegschaft und ihre Familien begann, findet seit vielen Jahren seine Fortsetzung in der regelmäßigen Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen in Hamburg. Neben regelmäßigen Unternehmensspenden gehört dazu unter anderem auch das freiwillige ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern beim jährlichen Reemtsma Help Day.

Über Reemtsma: Das Hamburger Traditionsunternehmen Reemtsma ist Teil der Imperial Brands PLC und zweitgrößtes Unternehmen im deutschen Tabakmarkt. Zum Markenportfolio gehören Marken wie JPS, Gauloises, Davidoff oder West. Reemtsma beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg, Langenhagen (Werk) und Trossingen (Werk). Gegenüber Schutzbedürftigen, Konsumenten, seinen Mitarbeitern und der Gesellschaft trägt Reemtsma eine große Verantwortung, die über die Herstellung und Vermarktung seiner Produkte hinausgeht, und leistet einen Beitrag für ein vertrauensvolles und nachhaltiges Miteinander.

Über Hinz&Kunzt: Hinz&Kunzt ist Deutschlands auflagenstärkstes Straßenmagazin mit den Schwerpunkten Sozialpolitik, Hamburg-Themen und Kultur. Das Heft wird von rund 530 Obdachlosen, Wohnungslosen, Ex-Obdachlosen und von Menschen in prekären Lebenslagen auf Hamburgs Straßen verkauft. Hinz&Kunzt bietet eine unbürokratische Beschäftigung für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben und fördert das soziale Klima in Hamburg. Als integratives Projekt berät Hinz&Kunzt zudem bei Suchtproblemen, Geldsorgen, bei der Suche nach einer Unterkunft oder Wohnung, bei Behördenangelegenheiten oder familiären Problemen.

Über Alimaus: Die Alimaus am Nobistor ist vor 28 Jahren durch den Impuls des christlichen Glaubens entstanden und bietet seither Aufenthaltsraum und Essensausgabe für mittellose Menschen. Obdachlose und Bedürftige werden dort das ganze Jahr über kostenlos versorgt, täglich kommen bis zu 400 Gäste Darüber hinaus ist die Alimaus Rückzugsort, der Geborgenheit spendet, seelsorgerische Beratung leistet sowie eine Kleiderkammer und eine medizinische und sanitäre Anlaufstelle bietet. Die medizinische Versorgung wird seit letztem Jahr ergänzt durch das Gesundheitsmobil, das als mobile Notversorgungspraxis jeden Sonntag am Gabenzaun am Hauptbahnhof und alle 14 Tage zusätzlich auf der Reeperbahn zu finden ist. In den Wintermonaten unterhält die Alimaus zudem den Hamburger Kältebus, der zwischen dem 1.11. und dem 31.03. eines Jahres jeden Abend von 19.00 bis 24.00 Uhr unterwegs ist, um Obdachlose in die Winternotunterkünfte zu bringen oder sie mit Schlafsäcken und Isomatten zu versorgen.

Für inhaltliche Rückfragen zum Projekt stehen Ihnen gern zur Verfügung:

  • Kai Greve, Alimaus: 0170 / 63 57 337
  • Dirk Hauer, Diakonisches Werk Hamburg: 0160 / 88 63 629
  • Stephan Karrenbauer, Hinz&Kunzt: 0179 / 745 98 62

Veröffentlicht am 8. April 2020