Der vergangene Winter mit langanhaltenden Extremwetterlagen und vielen Sterbefällen unter obdachlosen Menschen hat gezeigt, dass die Angebote besser an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst werden müssen, statt Zugangshürden zu schaffen. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit besteht unabhängig von der Bereitschaft, Sozialdaten offenzulegen oder eine Beratung in Anspruch zu nehmen.
Rechnerisch steht für etwa jede dritte obdachlose Person ein Platz im Winternotprogramm zur Verfügung. Die vorhandenen Plätze sind allerdings nie vollständig ausgelastet. „Wenn Menschen bei lebensbedrohlichen Temperaturen draußen übernachten, müssen wir uns fragen, warum die bestehenden Angebote sie nicht erreichen“, sagt Stefanie Koch, Wohnungslosenexpertin der Diakonie. „Erfrierungsschutz muss niedrigschwellig, sicher und verlässlich sein. Die bestehenden Angebote sollten so ausgebaut werden, dass sie von den Menschen besser angenommen werden können.“ Stattdessen sei nun zu befürchten, dass in Zukunft noch mehr Betroffene die Einrichtungen meiden. „Beim Erfrierungsschutz geht es um lebensrettende Nothilfe. Diese darf nicht an Bedingungen geknüpft sein.“
Die Diakonie sieht Nachbesserungsbedarf in folgenden Bereichen:
- Öffnungszeiten: Wer im Winternotprogramm übernachtet, sollte morgens nicht wieder auf die Straße geschickt werden. Der Schutzbedarf besteht auch tagsüber.
- Pflege: Psychisch erkrankte oder pflegebedürftige Menschen benötigen Begleitung. Die ist nur mit besserem Personalschlüssel möglich.
- Barrierefreiheit: Unterkünfte müssen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugänglich sein.
- Schutzräume: Es braucht geschützte Räume speziell für Frauen.
- Dezentrale Standorte: Kleinere, überschaubare Einrichtungen könnten Menschen auffangen, die mit Großunterkünften überfordert sind.
„Kältehilfe kann akute Not lindern, ist aber keine dauerhafte Lösung”, sagte Stefanie Koch außerdem. „Die eigene Wohnung ist noch immer der beste Erfrierungsschutz. Bezahlbarer Wohnraum gibt Menschen eine Perspektive und entlastet gleichzeitig die Nothilfesysteme.”