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Veranstaltung Armutserfahrung Grutzek Diakonie Hamburg

Pressemitteilung::„Armut ist ein strukturelles Problem und kein individuelles Versagen.“

In der Rathauspassage haben Betroffene, Fachleute und Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft über Wege zur wirksamen Armutsbekämpfung diskutiert.
Datum:
13. Mai 2026

Es wurden Erfahrungen ausgetauscht und Handlungsempfehlungen erarbeitet, um soziale Teilhabe und Demokratie nachhaltig zu stärken.

Etwa jede fünfte Person in Hamburg lebt in Einkommensarmut. Das betrifft rund 363.000 Menschen. Noch mehr Menschen haben bereits Erfahrungen mit Armut oder sozialer Ausgrenzung gemacht. „Armut ist ein strukturelles Problem und kein individuelles Versagen“, sagt Claudia Langholz, Geschäftsbereichsleiterin des Landesverbandes der Diakonie Hamburg. „Wir machen soziale Not sichtbar. Durch die gemeinsame Diskussion von Lösungsansätzen wollen wir das Vertrauen in die Demokratie stärken und gesellschaftlichen Schaden durch soziale Spannungen abwenden.“

Das Diakonische Forum für soziale Veränderung bot Raum für Begegnung: In moderierten Tischgesprächen gaben Menschen mit Armutserfahrung ihre Forderungen im direkten Gespräch an Abgeordnete der Bürgerschaft weiter. Ziel der Initiative ist es, Antworten auf die zentralen Herausforderungen der Stadt zu finden. Was muss geschehen, um Armut wirksam zu begegnen?

„Der direkte Austausch zeigt, dass hinter jeder Statistik ein Schicksal steht. Unser Ziel ist es, diese Erfahrungen in konstruktive Politikberatung zu übersetzen“, sagt Paul Grabbe, Armutsexperte der Diakonie. „Es geht um die gemeinsame Suche nach Lösungen, die im Alltag der Menschen ankommen.“

Das Ergebnis der Zusammenarbeit sind 63 konkrete Forderungen und Lösungsvorschläge, die an die Politik übergeben wurden.

Die Schwerpunkte liegen auf:

  • Zugang zu Sozialsystemen: Wir brauchen eine dauerhafte Finanzierung für unabhängige Sozialberatung und Behörden, die einfach erreichbar sind und verständlich kommunizieren.
  • Neue Grundsicherung: Bei Sanktionen muss die Mietkürzung ausgeglichen werden, wenn Kinder im Haushalt leben.
  • Mieten und Wohnraum: Wir brauchen 100 Prozent sozialen Wohnungsbau statt des bisherigen Mix-Modells und Hamburg sollte 'Housing First' überall als Standard einführen.
  • Olympia: Ein sozialpolitischer Plan muss verhindern, dass durch eine Bewerbung die Mieten steigen und Menschen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden.

Hintergrund:
Das Diakonische Forum für soziale Veränderung wird von Diakonie Hamburg, Passage (Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit und Integration mbH), dem Diakonischen Werk Hamburg-West/Südholstein, dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost und Hinz&Kunzt veranstaltet.