Diakonie Hamburg
Dossier: Wohnungsnot
<< Zur Dossier-Übersicht

Glossar

§ 5-Schein/Wohnberechtigungsschein: Für den Bezug einer öffentlich geförderten Wohnung ("Sozialwohnung") ist ein Wohnberechtigungsschein erforderlich (§-5-Schein). Das Haushalts-Jahreseinkommen muss unterhalb einer gesetzlich festgelegten Obergrenze liegen. Der Wohnberechtigungsschein kann beim Bezirk beantragt werden. Etwa die Hälfte der Hamburgerinnen und Hamburger haben ihrem Einkommen nach grundsätzlich Anspruch auf eine Sozialwohnung.

Belegungsrechte: Für einen Teil der Sozialwohnungen hat die Stadt Belegungsrechte. Werden Wohnungen aus diesem Kontingent frei, können die Fachstellen für Wohnungsnotfälle Bewerber vorschlagen oder sogar bestimmen, wer dort einziehen darf. Auch die Zahl dieser "WA-Wohnungen" sinkt von knapp 100.000 im Jahr 2000 auf voraussichtlich knapp 40.000 im Jahr 2018.

Dringlichkeitsschein: Wer länger als drei Jahre in Hamburg lebt und wessen außergewöhnliche Lebenssituation, z. B. Krankheit, ihn daran hindert, sich selbst eine angemessene Wohnung zu suchen, kann einen Dringlichkeitsschein erhalten, wenn er oder sie dringend auf eine (andere) Wohnung angewiesen ist. Dringlichkeitsschein-Inhaber sollen von der Behörde bei der Wohnungssuche unterstützt werden. 2011 hatten 6.738 Haushalte den auf ein Jahr befristeten Dringlichkeitsschein. Knapp ein Drittel von ihnen erhielt eine Wohnung.

Dringlichkeitsbestätigung: Eine Dringlichkeitsbestätigung bekommt, wer obdachlos ist oder in einer Notunterkunft lebt. Die Dringlichkeitsbestätigung ist unbefristet. 2011 erhielten 1.767 Haushalte dieses Dokument ausgestellt. Die im gleichen Jahr stattgefundenen Vermittlungen in Wohnraum reichten nicht, um diese Notfälle zu versorgen. Hinzu kommen „Altfälle“, Menschen, die schon länger als ein Jahr mit einer Dringlichkeitsbestätigung auf eine Wohnung warten.

Fachstellen für Wohnungsnotfälle: 2005 wurde das Hamburger Hilfesystem für Wohnungsnotfälle neu organisiert. In jedem Bezirk richtete man Fachstellen für Wohnungsnotfälle ein, die Obdachlose und Menschen in öffentlicher Unterbringung (Notunterkünfte) in Wohnraum vermitteln sollen. Ziel: Weniger Menschen, die in Notunterkünften leben müssen. Allerdings hat sich seitdem die Zahl der aus öffentlicher Unterbringung in Wohnungen vermittelten Menschen kaum erhöht.

Kooperationsvertrag: Zeitgleich mit der Einrichtung der Fachstellen 2005 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt, der SAGA GWG und zehn Wohnungsgenossenschaften abgeschlossen. Darin haben sie sich verpflichtet, jährlich insgesamt 1.200 Wohnungen für wohnungslose Haushalte zur Verfügung zu stellen. Bis 2012 sind jedoch etwa 4.500 Wohnungen weniger als vereinbart an wohnungslose Haushalte vermittelt worden.

Housing First: „Housing First“ steht für ein in den USA entwickeltes Konzept der Überwindung von Wohnungslosigkeit. Wohnungslose werden, auch wenn sie komplexe Probleme haben, etwa suchtkrank oder psychisch krank sind, schnell und ohne Vorbedingungen – auch direkt von der Straße – in Wohnraum vermittelt . Intensive persönliche Hilfen werden nachdrücklich angeboten, aber die Annahme dieser Hilfen nicht zur Bedingung gemacht. Studien aus den USA, Kanada und Europa weisen eindrücklich nach, dass dieser Ansatz deutlich erfolgreicher (und kostengünstiger) ist als herkömmliche Ansätze, bei denen wohnungslose Haushalte z. B. zunächst in „Ersatzwohnraum“ oder Obdachlosenunterkünften untergebracht werden.

Mietpreisbindung: Wer mit öffentlich geförderten Darlehen Sozialwohnungen baut, ist während der Laufzeit des Darlehens an Mietobergrenzen gebunden. Nach Ablauf dieser Frist darf die Miete innerhalb der gesetzlichen Vorgaben erhöht werden.

Mietschulden: In Hamburg hatten laut Schufa-Kreditkompass im letzten Jahr 9,8 Prozent aller in ihrer Datenbank erfassten Haushalte mindestens ein Negativmerkmal. Verschuldete Haushalte geraten schnell auch in Verzug mit der Miete. Bereits zwei nicht gezahlte Monatsmieten können zur Kündigung des Mietvertrages durch den Vermieter führen. Wenn der Mieter bleibt, kann der Vermieter Räumungsklage erheben. Gibt das Gericht der Klage statt, kann ein Zwangsvollstreckungsverfahren starten, an dessen Ende die Wohnung geräumt wird. Wenn sich Betroffene rechtzeitig beraten lassen, kann die Zwangsräumung verhindert werden, indem die Mietschulden unter bestimmten Voraussetzungen von der Fachstelle übernommen werden. 4.428 Räumungsklagen und 1.590 Zwangsräumungen von Mietwohnungen gab es 2012 in Hamburg.

Notunterkünfte: Es gibt über die Stadt verteilt mehr als 50 Notunterkünfte. Die Platzzahl in diesen Notunterkünften soll bis Ende 2014 auf 10.200 erhöht werden. Hier sind Wohnungslose und Flüchtlinge untergebracht. Die Lebensbedingungen in den Unterkünften sind sehr belastend und müssten durch mehr Einzelzimmer in kleinen dezentralen Einrichtungen verbessert werden. Noch besser wäre es jedoch, Wohnungslose und Flüchtlinge mit normalem Wohnraum zu versorgen.