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Landespastor Dirk Ahrens: Nicht-christliche Mitarbeitende sind eine Chance

Lupe Landespastor Dirk Ahrens

Müssen alle Diakonie-Mitarbeitenden in der Kirche sein? Soll es Ausnahmen geben oder sind sie sogar wünschenswert? Dies wird seit einiger Zeit in Diakonie und Kirche diskutiert.

In der Diakonie und in der Evangelischen Kirche wird seit geraumer Zeit diskutiert, ob und in welcher Form die Kirchenzugehörigkeit Einstellungsvoraussetzung sein soll, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diakonischen Einrichtungen arbeiten. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei die Weiterentwicklung der sogenannten ACK-Klausel. Sie war ursprünglich als Öffnung gedacht: Auch Menschen aus anderen christlichen Kirchen wie zum Beispiel die Katholiken sollten in der Diakonie arbeiten können. In einer multikulturell und multireligiös geprägten Gesellschaft wirkt die ACK-Klausel heute in wichtigen diakonischen Arbeitsfeldern jedoch immer häufiger als Ausschlussklausel, die Menschen nichtchristlicher Religion und Menschen ohne Religionszugehörigkeit die Beschäftigung in der Diakonie erschwert oder verwehrt. Bereits heute sind Ausnahmen von der ACK-Klausel möglich. Unter welchen Voraussetzungen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Was sagt die Satzung?

Die Satzung des Diakonischen Werkes Hamburg empfiehlt allen verfasst-kirchlichen Mitgliedern (d. h. die zur Nordkirche gehören) und ebenso den nicht-verfasst kirchlichen Mitgliedern (wie zum Beispiel das Rauhe Haus, die Evangelische Stiftung Alsterdorf oder die Albertinen-Gruppe) die Loyalitätsrichtlinie der EKD anzuwenden. Dazu gehört auch die sogenannte ACK-Klausel. Diese besagt, dass Mitarbeitende Mitglied einer zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gehörenden Kirche oder einer Kirche der Vereinigung Evangelischer Freikirchen sein sollen. Ausnahmen sind möglich, wenn Menschen anderer Kulturen und Religionen als Mitarbeitende notwendig sind, um dem diakonischen Auftrag gerecht zu werden.

Was sagt das Tarifrecht?

  • Wird der Kirchliche Tarifvertrag Diakonie (KTD) angewendet, heißt es im Paragraph 3 Abs. 3 KTD, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Mitglied in einer der christlichen Kirchen sein „sollen“. Da es sich um eine „Soll-Vorschrift“ handelt, lässt der KTD Ausnahmeregelungen zu.
  • Bei Mitgliedern, die den Kirchlichen Arbeitnehmertarif (KAT) anwenden, schreibt der KAT die Anwendung der Loyalitätsrichtlinie vor.
  • Für Mitglieder, die die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) anwenden, gibt es keine spezielle Regelung zu diesem Thema in den AVR.

Wie geht es weiter?

Die Hamburger Diakonie setzt sich sowohl in der Nordkirche wie bei der Bundesdiakonie für eine deutliche Öffnung der ACK-Klausel ein. Diese muss jedoch gleichzeitig flankiert werden durch eine Schärfung des diakonischen Profils der Einrichtungen.Langfristig wird entscheidend sein, ob sich die Mitarbeitenden – Kirchenmitglied oder nicht – mit den Werten der Diakonie identifizieren und sie in der täglichen Arbeit mit den ihnen anvertrauten Menschen leben. Für die Einrichtungen stellt sich damit die Frage: Wie vermitteln wir unser christlich-diakonisches Profil überzeugend nach innen und nach außen, wenn wir uns weiter öffnen als bisher?

Veröffentlicht am 14. Juli 2015