Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Winternotprogramm: Winter überstanden, aber untragbare Zustände in den Unterkünften

Am 15. April endet das diesjährige Winternotprogramm. Die bisherige Bilanz des Diakonischen Werkes Hamburg fällt gemischt aus: Diakonie-Vorstand Gabi Brasch erläutert: „Auch diesen Winter ist es gelungen, das Winternotprogramm niedrigschwellig und ohne Zugangsbeschränkungen aufrechtzuerhalten. Das begrüßen wir und hoffen sehr, dass Hamburg auch zukünftig an dieser Linie festhält. Die Stadt hat neben der Spaldingstraße zügig weitere Entlastungskapazitäten bereitgestellt. Ihr, den Bezirken und allen Unterstützenden gebührt dafür Anerkennung und Dank.“
 
Hochproblematisch war jedoch die Situation in den Unterkünften selbst: Alle Einrichtungen sind überbelegt. Bis zu 12 Personen mussten sich zum Beispiel im Pik AS ein Zimmer teilen, viele Menschen schliefen auf dem Fußboden, Fluchtwege für den Brandschutz waren blockiert. Gabi Brasch: „Die Standards in der Notunterbringung werden immer weiter abgesenkt. Deshalb sind die Mitarbeitenden und  Ehrenamtlichen häufig überlastet und überfordert. Auch bei steigenden Zahlen darf Hamburg das nicht weiter ignorieren.“
 
Die Notunterkünfte sind überlastet, weil es nach wie vor viel zu wenig Wohnungen für die reguläre, ganzjährige Unterbringung von Wohnungslosen gibt. Bei den bezirklichen Fachstellen zur Wohnungssicherung stehen inzwischen 700 Haushalte auf  Wartelisten. Gabi Brasch fordert: „Die Wohnungswirtschaft und SAGA/GWG müssen deutlich mehr tun als bisher. Sie müssen zusätzliche Wohnungen für Wohnungslose zur Verfügung stellen, damit Plätze in den Unterkünften frei werden. Das entlastet nicht nur das Winternotprogramm, sondern ist für die Stadt auch günstiger.“
 
Für den nächsten Winter fordert die Diakonie ausreichende Kapazitäten und vernünftige Qualitätsstandards. Gabi Brasch: „Das niedrigschwellige Winternotprogramm in seiner bisherigen Qualität und Zugänglichkeit muss erhalten werden. Das gilt auch, wenn sich die Zielgruppen des Winternotprogramms verändern und mehr Menschen aus dem Ausland in Hamburg obdachlos werden. Obdachlosigkeit ist Gefahr für Leib und Leben. Und in diesem Fall gibt es eine unabweisbare Unterbringungsverpflichtung für die Stadt – egal, woher jemand kommt oder welche Rechte jemand ansonsten hat. Zugangsbeschränkungen kommen für die Diakonie nicht in Frage.“

Veröffentlicht am 27. März 2013