Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Unsozial: Hamburger Diakonie kritisiert geplante Anrechnung des Betreuungsgeldes auf das ALG II

Die von der schwarz-gelben Koalition geplante Anrechnung des Betreuungsgeldes auf das Arbeitslosengeld II wird von der Hamburger Diakonie als unsozial kritisiert und abgelehnt.
Gabi Brasch, sozialpolitischer Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg: „Die geplante Anrechnung auf Hartz IV wäre extrem unsozial: Eine alleinerziehende Mutter, die keinen Kitaplatz und keine Arbeit findet und deshalb Hartz IV bezieht, bekommt kein Betreuungsgeld. In Hamburg bekämen also rund 30.000 Eltern das Betreuungsgeld nicht ausgezahlt. Die Frau eines gutverdienenden Managers jedoch, die ihr Kind zu Hause erzieht, bekommt monatlich 150 Euro Betreuungsgeld. Wenn man überhaupt ein Betreuungsgeld einführt, sollte dies niemand bekommen, der es nicht wirklich braucht.“

 

Die Hamburger Diakonie hält das das Betreuungsgeld jedoch grundsätzlich für ein unbrauchbares Instrument. Gabi Brasch: „Es ist ein legitimer Wunsch, sich selbst um sein kleines Kind zu kümmern. Doch statt eines Betreuungsgeldes sollten die Erziehungszeiten besser auf die Rente angerechnet werden. Und sehr viel dringender ist der schnelle Ausbau der kostenlosen Kinderbetreuung, vor allem für Menschen mit geringeren Einkommen." Nach Ansicht der Diakonie leistet das Betreuungsgeld weder einen Beitrag zu einer geschlechtergerechten Arbeitsteilung in der Kindererziehung noch zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In Hamburg gab es im Dezember 2011 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 29.487 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 15 Jahren, das sind 29,5 Prozent der Bedarfsgemeinschaften.

Veröffentlicht am 25. April 2012