Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Stellungnahme: Vorwürfe von ver.di gegenüber der Diakonisssenanstalt Alten Eichen

Nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes vom 24.11.2011 hat die Gewerkschaft ver.di wegen des Verdachtes der Schwarzarbeit Anzeige gegen die Diakonissenanstalt Alten Eichen erstattet.

Landespastorin Annegrethe Stoltenberg, Chefin der Hamburger Diakonie, sagt dazu: „Wir nehmen die Anschuldigungen sehr ernst und haben die Diakonissenanstalt Alten Eichen aufgefordert, die Vorwürfe umgehend aufzuklären. Gleichzeitig warne ich vor jeder Form der Vorverurteilung.“

Das Diakonische Werk Hamburg hält es für selbstver-ständlich, dass sich diakonische Einrichtungen an das Steuerrecht halten. Die Kombination von Minijob und Aufwandsentschädigung ist allerdings steuerrechtlich zulässig, wenn die Tätigkeit aus der Betreuung von Kindern oder Jugendlichen besteht oder in der Pflege stattfindet.

Leiharbeit
Das Diakonische Werk Hamburg unterstützt die von der Synode der Evangelischen Kirche Anfang November beschlossene Maxime, dass Leiharbeit in diakonischer Regie nicht zu Lohnsenkungen führen darf. Befristete Leiharbeit, um kurzfristige Arbeitsspitzen aufzufangen - wie sie etwa durch Krankheit, Urlaub oder unvorhersehbare Bedarfe entstehen - hält das Diakonische Werk Hamburg ausdrücklich für vertretbar und für notwendig, um die Pflegebedürftigen gut versorgen zu können.

Befristete Beschäftigungsverhältnisse
Auch in der Hamburger Diakonie werden befristete Arbeits-verträge geschlossen. Die Träger haben aber in der Regel ein starkes Eigeninteresse, Mitarbeitende langfristig zu binden. Hauptursache für die Befristung von Arbeitsverhält-nissen ist die unklare Refinanzierung bestimmter Arbeitsbereiche durch die Ausschreibungspraxis der Kostenträger.

Private Profite contra bewusste diakonische Tarifbindung in Hamburg
Es ist richtig, wenn die Medien Missstände auch bei der Diakonie aufdecken. Was allerdings deutlich gesagt werden muss: Unsere Gesellschaft hat sich mit der massiven Öffnung des Gesundheitswesens und der Pflege für den Markt und für das Konkurrenzprinzip entschieden: Wer bei gleicher Leistung billiger ist, weil er schlechter bezahlt, überlebt. Die Politik ist nach wie vor - auch in Hamburg - nicht bereit, die tarifgerechte Bezahlung in der Kranken- und Altenpflege zu refinanzieren. Dadurch geraten Träger der Hamburger Diakonie zunehmend unter Druck. Die Diakonie ist in Hamburg einer der wenigen Wohlfahrtsverbände, der flächendeckend nach Tarif oder tarifähnlichen Arbeits-verträgen (Arbeitsvertragsrichtlinien) bezahlt.
Wir setzen uns als Diakonie seit Jahren ein für verbindliche Tariflöhne für alle, auch bei den privaten Anbietern und für eine ausreichende Refinanzierung, zum Beispiel gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di mit der Kampagne „Pflege ist mehr Wert!“

Veröffentlicht am 24. November 2011