Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Senat plant Kontaktverbot für Freier: Aussteigen fördern statt Prostitution in andere Stadtteile verlagern

Innensenator Michael Neumann plant in St. Georg ein bußgeldbewehrtes Kontaktverbot für Freier. Anke Mohnert, Leiterin des Diakonie-Projektes "Sperrgebiet" in St. Georg, glaubt nicht, dass die Probleme mit der Prostitution im Stadtteil durch ein Kontaktverbot für Freier und Bußgelder gelöst werden: "Natürlich verstehen wir die Sorgen der Menschen im Stadtteil, schließlich arbeiten wir seit 26 Jahren hier in St. Georg. Die Erfahrungen aus Köln und Essen zeigen jedoch: Kontaktverbote und Bußgelder führen nicht zu weniger Prostitution. Stattdessen nimmt die sexuelle Ausbeutung im Verborgenen zu. Die Verlagerung in andere, weniger belebte Stadtteile und die sowieso steigende Zahl der Verabredungen via Internet bietet den Mädchen und Frauen noch weniger Schutz vor menschenunwürdigen Praktiken von Freiern und Zuhältern. Besonders treffen wird es die oft sehr jungen Opfer von sexueller Ausbeutung aus EU-Anrainerstaaten wie Rumänien und Bulgarien."

Die Hamburger Diakonie unterstützt dagen die Einrichtung eines Runden Tisches "Prostitution in St. Georg“, so wie er vom Runden Tisch "Sexuelle Dienstleistungen in Hamburg" vorgeschlagen wird. Dort sollen die unterschiedlichen Interessen verhandelt werden und ein Gleichgewicht zwischen Sperrzeiten, Toleranzzonen und Sensibilisierung für Störungen und Belästigungen im Wohngebiet gefunden werden.

Anke Mohnert fügt hinzu: "Um wirklich einen Schritt weiter zu kommen, müssen wir den Ausstieg aus der Prostituion viel stärker unterstützen. Prostituierte und Freier räumlich zu verdrängen und gleichzeitig Sozialprojekten im Stadtteil die Mittel zu kürzen, ist keine überzeugende Politik des Senates." Die Diakonie schlägt vor, die verschiedenen Maßnahmen von Polizei und Sozialarbeit eng aufeinander abzustimmen. Mohnert: "Wir brauchen eine Kombination von Regelungen zur Sperrgebietsverordnung mit konkreten Schutz- und Beratungsmöglichkeiten für Mädchen, Frauen und auch Jungen in der Prostitution. Dazu gehören auch Freieransprachen und Freierkampagnen, die diese für die Lebenssituation von Prostituierten und für Menschenhandel sensibilisieren."

Das Diakonie-Projekt „Sperrgebiet“ in St. Goerg bietet seit 1985 Schutz und Perspektiven für Mädchen und junge Frauen in der Prostitution. Träger ist das Diakonie-Hilfswerk Hamburg.

Veröffentlicht am 12. Januar 2012