Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Selbstverständlich freiwillig engagiert – auch mit Behinderung

Lupe Foto: K. Wedekind

Nach viereinhalb Jahren zieht das Hamburger Diakonie-Projekt Selbstverständlich Freiwillig eine erfolgreiche Bilanz. Es konnte nachhaltig Strukturen schaffen, die freiwilliges Engagement von Menschen mit Behinderungen zur Selbstverständlichkeit werden lassen.

Auf der Abschlussveranstaltung erläutert Diakonie-Vorstand Gabi Brasch: „Das Projekt hat sehr viel erreicht. Und genau deshalb endet es nun. Inklusion bedeutet nämlich gerade nicht, dass sich viele kleine Extra-Projekte besonders mit Menschen mit Behinderungen befassen. Inklusion bedeutet, dass das gesellschaftliche Zusammenleben so gestaltet wird, dass alle Menschen in ihrer Verschiedenheit darin ihren Platz erhalten.“ Projektleiterin Britta Marie Habenicht betont: „Damit Inklusion gelingen kann, müssen die Haltung und die Rahmenbedingungen in der Gesellschaft entsprechend gestaltet werden.“ Dazu gehöre die Leichte Sprache, um Menschen mit Behinderung einen Zugang zum Thema zu ermöglichen. Das Projekt hat dazu einen Leitfaden herausgegeben, um Mitarbeitende in Einrichtungen der Behindertenhilfe und in Freiwilligenagenturen in der Kommunikation mit Menschen mit Behinderung zu unterstützen.

Das Projekt Selbstverständlich Freiwillig war gerade rechtzeitig ins Leben gerufen worden, um gesellschaftliche und politische Debatten und Veränderungsprozesse im Hinblick auf Inklusion aufzugreifen und zu befördern. Daher konnte Projektleiterin Britta Marie Habenicht heute Nachmittag einen Staffelstab an Petra Lotzkat, Leiterin des Amtes für Arbeit und Integration, übergeben. Sie steht stellvertretend für die Hamburger Engagementstrategie, in der Menschen mit Behinderung als eigene Zielgruppe explizit genannt werden. Einen weiteren Staffelstab übernahm der neue Fachkreis des Aktivoli-Landesnetzwerkes, der sich aus der projektbegleitenden Arbeitsgruppe etabliert hat und das Engagement von Menschen mit Behinderung stärken sowie die Umsetzung der Engagementstrategie begleiten wird. Weitere wichtige Partner, die auch künftig an der Veränderung der Strukturen zugunsten von Inklusion arbeiten, sind Mitarbeitende in Freiwilligenagenturen und in der Behindertenhilfe. Das Projekt konnte ebenfalls die Aktivoli-Freiwilligenbörse, die am 1. Februar wieder stattfindet, für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisieren: Barrierefreiheit, ein taktiles Leitsystem für blinde Menschen, Flyer und Vorträge in Leichter Sprache sowie einiges andere werden umgesetzt.

Auch bundesweit hat das Projekt Aufmerksamkeit erregt: Unter anderem ist Selbstverständlich Freiwillig 2011 mit dem Innovatio-Sozialpreis ausgezeichnet worden und war 2013 als Good-Practice-Beispiel bei den Inklusionstagen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Berlin vertreten.
Im Rahmen des Projektes haben viele Freiwillige ein Engagement gefunden, zum Beispiel in Seniorenheimen, im Tierheim oder bei Veranstaltungen. Die Behinderungen der Menschen reichen von körperlichen über psychische Beeinträchtigungen bis zu Lernschwierigkeiten.
Das Projekt hat diese Menschen bei der Vermittlung in ein Engagement eng beraten und begleitet. In Workshops in Leichter Sprache haben sich Interessierte mit dem Thema Freiwilliges Engagement beschäftigt. Auf einem „Freiwilligen-Stammtisch“ konnten sie sich austauschen. Mitarbeitende in Freiwilligenagenturen und der Behindertenhilfe wurden informiert, beraten und fortgebildet.

Das Projekt wurde drei Jahre lang von der Aktion Mensch gefördert. Dank einer zweckgebundenen Kollekte der Evangelischen Kirche Deutschland konnte es noch eineinhalb Jahre im Diakonischen Werk Hamburg fortgesetzt werden, um die Strukturen für das freiwillige Engagement von Menschen mit Behinderung zu festigen.
Den Leitfaden zum Projekt sowie weitere Informationen findet man unter www.selbstverständlich-freiwillig.de.

Veröffentlicht am 20. Januar 2015