Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Rechte von Kindern und Pflegeeltern stärken

Diakonie fordert ein Bündel von Maßnahmen nach dem Untersuchungsbericht zum Tod von Yagmur
 
Mit dem Bericht der Jugendhilfeinspektion über den erschreckenden Todesfall der dreijährigen Yagmur stellt sich die Frage der Konsequenzen. Am Ende einer Kette von Fehlern der beteiligten Institutionen stehen Mitarbeitende, die zu wenig Zeit, zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Einblick, zu wenig Reflexion gehabt haben. Gabi Brasch, Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg: "In einem Arbeitsfeld, in dem die Mitarbeitenden täglich und unter Druck schwierige Abwägungen in komplexen Risikosituationen machen müssen, kann das im Einzelfall verheerende Folgen haben.“

Die Hamburger Diakonie unterstützt die Initiative des Sozialsenators, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Gabi Brasch: "Das Wohl des Kindes hat Vorrang vor allen anderen Interessen. Im Streitfall würde die Verankerung der Kinderechte im Grundgesetz die Position der „Anwälte des Kindes“ vor Gericht stärken. Gleichzeitig gilt: Kinder sind grundsätzlich – unabhängig von ihrer Situation  erst einmal loyal zu ihren leiblichen Eltern. Deshalb geht es bei der Stärkung von Kinderrechten nicht darum, Kinder bei Konflikten gegen ihre eigenen Eltern aufzubringen. Die Stärkung von Kinderrechten ist aber ein zentrale Voraussetzung für eine gemeinsame Lösung der Probleme."

Daneben hält die Diakonie Hamburg ein Bündel von Maßnahmen für nötig:

  • Bessere Ausstattung der Jugendämter und bessere Qualifikation auf der Praxis- und Leitungsebene.
  • Stärkung der Rechtsposition von Pflegeeltern im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), wenn Pflegekinder eine Bindung zu ihnen aufgebaut haben.
  • Einrichtung von unabhängigen Ombudsstellen, an die sich Kinder, Jugendliche und Eltern wenden können, wenn sie mit Behörden im Konflikt sind.  
  • Der Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung, der ausschließlich den Eltern zusteht, sollte auf Kinder und Jugendliche erweitert werden. Damit wird auch hier klar: das Kind steht im Mittelpunkt und ist nicht allein vom Willen der Eltern abhängig.
  • In Hamburg sollte die Politik erkennen, dass „Hilfen zur Erziehung“ ein wichtiges Angebot innerhalb der Jugendhilfe ist, dass bei schwierigsten Familienproblemen Krisen überwinden kann. Eine Jugendpolitik, deren Leitbild „Vermeidung von Hilfen zur Erziehung“ ist, und das Feld vorzugsweise unter Kostengesichtspunkten bewertet, ist der falsche Weg.
  • Zu begrüßen ist der Ansatz von Sozialsenator Scheele, die Hilfen zur Erziehung weiter zu qualifizieren. Jüngere Kinder, die ambulant in der Familie oder stationär in Wohngruppen betreut werden, sollten immer eine Krippe oder Kita besuchen.

 

Veröffentlicht am 31. Januar 2014