Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Kontaktverbot für Freier: Senat verdrängt das eigentliche Problem

Der Senat hat heute für St. Georg ein Kontaktverbot für Freier beschlossen. Die Diakonie hält das Kontaktverbot nicht für sinnvoll; es nützt weder dem Stadtteil noch verbessert es die Situation der Prostituierten. Anke Mohnert, Leiterin des Diakonie-Projektes "Sperrgebiet" in St. Georg, befürchtet im Gegenteil, dass jetzt besonders junge Prostituierte stärker als zuvor gefährdet sind: "Die sexuelle Ausbeutung im Verborgenen wird zunehmen. Die Prostitution wird ja nicht geringer, sie verlagert sich nur in andere, weniger belebte Stadtteile. Und die sowieso steigende Zahl der Verabredungen via Internet bietet den Mädchen und Frauen noch weniger Schutz vor menschenunwürdigen Praktiken von Freiern und Zuhältern. Besonders treffen wird es die oft sehr jungen Opfer von sexueller Ausbeutung aus Staaten wie Rumänien oder Bulgarien."
 

Die Hamburger Diakonie hält stattdessen die Einrichtung eines Runden Tisches "Prostitution in St. Georg“ für nötig. Anke Mohnert: "Dort muss das eigentliche Problem auf den Tisch: Wie kommen wir beim Thema "Ausstieg aus der Prostitution" weiter, wie können wir die Frauen stärker unterstützen? Der Senat beschränkt sich zur Zeit darauf, Prostituierte und Freier räumlich zu verdrängen und gleichzeitig Sozialprojekten im Stadtteil die Mittel zu kürzen, das überzeugt nicht." Außerdem schlägt die Diakonie vor, die verschiedenen Maßnahmen von Polizei und Sozialarbeit eng aufeinander abzustimmen.

Veröffentlicht am 24. Januar 2012