Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Kita-Leitungen überreichen 521 Brandbriefe

Lupe Die Initiatorinnen des Kita-Brandbriefs mit dem Schlüssel zu guter Bildung (v.l. – neben den Stelzenläuferinnen: Heidrun Mildner, Anne-Kathrin Hantel, Susanne Stemmer, Susanne Toelcke (Foto: Stephan Pflug).

Innerhalb von vier Wochen haben 521 der rund 1.000 Hamburger Kita-Leitungen einen Brandbrief an den Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg unterzeichnet und auf die „unhaltbaren Rahmenbedingungen“ in Kindertageseinrichtungen hingewiesen. Sie fordern darin den Bürgermeister Olaf Scholz auf, nach dem „massiven Platzausbau und der erheblichen Entlastung der Eltern endlich in die
notwendige und überfällige Qualitätsentwicklung der Kindertageseinrichtungen“ zu investieren. Die unterschriebenen Briefe haben zahlreiche Kita-Leitungen heute stellvertretend dem Hamburger Senat im
Rathaus überreicht.

In dem Brief machen die Kita-Leitungen u.a. auf die gesundheitlichen Folgen der derzeitigen Bedingungen aufmerksam: „Wir wollen nicht mehr tatenlos dabei zusehen, wie noch mehr pädagogische Fachkräfte bis zum
Rande der Erschöpfung – manche auch darüber hinaus – arbeiten und ihre Gesundheit gefährden.“ Immer mehr Kollegen seien demnach überlastet, würden krank oder arbeiten bis zum Burnout. Viele würden nicht bis
zur Rente durchhalten.

Die Kita-Leitungen fordern mehr Personal v.a. im Krippenbereich, eine Doppelbesetzung unter Berücksichtigung von Ausfallzeiten wie Urlaub, Krankheit und Fortbildung sowie mehr Zeit für die sog. mittelbare Pädagogik. Das sind „notwendige Arbeitszeiten außerhalb der direkten Kind-Kontakte“ wie z.B. Vor- und Nachbereitungszeiten, Zeit für Beobachtung und Dokumentation oder Entwicklungsgespräche.

Verschiedene Studien (u.a. die Studie der Alice-Salomon-Hochschule Berlin „Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien und Hansestadt Hamburg 2014“ und der „Bertelsmann-Länderreport frühkindliche Bildungssysteme 2013“) kommen zu dem Ergebnis, dass Hamburg im Krippenbereich beim Personalschlüssel im Vergleich der westdeutschen Bundesländer an letzter Stelle liegt. Während Wissenschaftler empfehlen, dass sich ein Erzieher um drei Krippenkinder kümmert, ist in Hamburg eine Fachkraft für mehr als sieben Kinder zuständig.

Heidrun Mildner, Leitung Kinderhaus Osteresch: „Gerade Krippenkinder brauchen besonders viel Bindung und Beziehung. Zunehmende Ausfallzeiten in den Einrichtungen machen es uns aber immer schwerer, diesen
Bedürfnissen gerecht zu werden. Es muss sich etwas ändern und zwar schnell.“

Susanne Toelcke, Leitung Kita Kratzbürsten: „Viele Kolleginnen und Kollegen sind mit ihren Kräften am Ende. Jahr für Jahr kommen neue Aufgaben auf uns zu, ohne dass sich die Ressourcen verbessern. Die personelle
Situation muss sich nun endlich verbessern – auch und vor allem für die Kinder.“


Bei Rückfragen

Anne-Kathrin Hantel
Hamburgische Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V.
Tel. 040 / 8 88 88 610
hantel@waldorfkindergaerten-hamburg.de

Heidrun Mildner
Kinderhaus Osteresch
Tel.: 040 / 8993035
kinderhausosteresch@t-online.de

Susanne Stemmer
Kinderladen Murmel e.V.
Tel.: 040 / 35 42 89
susanne@stemmer-hamburg.de

Susanne Toelcke
Kita Kratzbürsten
Tel.: 040 / 3892404
kratzbuersten@gmx.de

Veröffentlicht am 2. Oktober 2014