Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Hilfen zur Erziehung: Hamburger Diakonie warnt vor Planungen, den Rechtsanspruch zu schwächen

Das von der Hamburger Sozialbehörde entworfene Diskussionspapier für eine Arbeitsgruppe von SPD-Staatssekretären kritisiert die aus dem individuellen Rechtsanspruch auf Hilfe entstehenden hohen Kosten, die auch durch die starke Stellung der Freien Träger verursacht würden. Außerdem laufe die aufsuchende Betreuung durch Sozialpädagogen - die Hilfe zur Erziehung - in sehr vielen Fällen ins Leere und kooperiere nicht mit Schulen und Kitas.

Gabi Brasch, zuständiger Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg stellt klar: „Die Einschränkung des Rechtsanspruches kann keine Lösung sein. Wenn Familien Hilfe brauchen, müssen sie sie bekommen. Die Kosten in den Hilfen zur Erziehung steigen, weil die Fallzahlen steigen. Und das hat gesellschaftliche Ursachen. Die Träger dafür verantwortlich zu machen, ist nicht sachgerecht: Die meisten Familienhilfen verbessern die Situation in den Familien und werden erfolgreich beendet. Bereits jetzt ist es Aufgabe der Familienhilfe, die oft isoliert lebenden Familien wieder in ihr Umfeld zu integrieren. Wir arbeiten eng mit Beratungsstellen, Kitas und Schulen zusammen. Und die Preise der freien Träger liegen im Durchschnitt unter denen der staatlichen Träger.“


Die Hamburger Diakonie sieht dagegen zahlreiche andere Möglichkeiten, um die Wirksamkeit der verschiedenen Angebote in Hamburg zu verbessern:
- Kinder, die im Heim leben, sollten schneller in ihre Familien zurückkehren können. Dazu muss stärker mit diesen Familien gearbeitet werden.
- Bezahlbarer Wohnraum sollte auch für junge Erwachsene aus der Erziehungshilfe zur Verfügung stehen.
- Die Zusammenarbeit mit den Schulen, besonders im Zuge des Ausbaus zu Ganztagsschulen sollte verstärkt werden.
- An vielen Orten gelingt bereits die Zusammenarbeit zwischen offener Jugendarbeit und Erziehungshilfen, unter anderem in sozialräumlichen Projekten. Dieser Ansatz sollte ausgeweitet werden.
- Die „frühen Hilfen“ für Schwangere und Familien mit Säuglingen sollten weiter ausgebaut werden.

Gabi Brasch: „Damit der Umbau gelingt, müssen freie Träger, die Stadt und die Bezirke gut und professionell zusammenarbeiten. Wir sind dazu bereit.“

Veröffentlicht am 12. August 2011