Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Gesetzentwurf der Bundesregierung: Pflege-Neuausrichtungsgesetz hilft Hamburgs Pflegebedürftigen nur wenig

Der gestern von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf des Pflege-Neuordnungsgesetzes bringt den Pflegebedürftigen in Hamburg nach Ansicht der Diakonie nur wenige Verbesserungen. Stefan Rehm, im Vorstand des Diakonischen Werkes Hamburg zuständig für Pflege: „Die finanziellen Verbesserungen für Demenzkranke in der häuslichen Betreuung bringen zwar eine gewisse Entlastung für die pflegenden Angehörigen. Doch zwei grundlegende Probleme bleiben ungeklärt: Die Einführung des neuen erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs und wie die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und Einrichtungen endlich verbessert werden können. Das gilt sowohl für die ambulante Pflege wie für die Seniorenheime."

 

Außerdem kritisiert Rehm, dass das Gesetz die Pflegebedürftigen in der stationäre Pflege vernachlässigt: "Die Bewohnerinnen und Bewohner in den Seniorenheimen dürfen nicht vergessen werden. Wir gehen davon aus, dass in Hamburg in den nächsten Jahren der Anteil demenziell erkrankter Menschen in den Seniorenheimen auf über 70 Prozent steigen wird. Es geht also um über 10.000 Menschen allein in Hamburg. Gerade bei Demenzerkrankten stößt die häusliche Pflege oft an ihre Grenzen. Die vorgesehenen Regelungen schließen also einen großen Teil der an Demenz erkrankten Menschen von Verbesserungen in der Betreuung aus. Hier muss dringend nachgebessert und für eine bessere personelle Ausstattung in den Heimen gesorgt werden.“
 

Hintergrund: Der Pflegebedürftigkeitsbegriff
Seit Einführung der Pflegeversicherung wird kritisiert, der Begriff der Pflegebedürftigkeit sei zu eng gefasst und zu stark auf die einzelnen Verrichtungen bezogen. Besonders der Bedarf an allgemeiner Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung, der beispielsweise bei Menschen mit Demenz und/oder Behinderung häufig auftritt, wird bisher zu wenig berücksichtigt. Ein von der Bundesregierung eingesetzter Beirat hat bereits 2009 einen ausführlichen Bericht zur Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsberich vorgelegt: Im Unterschied zum jetzigen Begutachtungsverfahren soll nun der Maßstab zur Einschätzung von Pflegebedürftigkeit nicht der zeitliche Pflegeaufwand, sondern der Grad der Selbstständigkeit bei der Durchführung von Aktivitäten oder der Gestaltung von Lebensbereichen sein. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff stellt einen Paradigmenwechsel dar, der für die pflegebedürftigen Menschen mehr Würde bedeutet.

Veröffentlicht am 29. März 2012