Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Diakonie startet hausärztliche Sprechstunde für Menschen ohne Papiere

Ab sofort bietet das Diakonie-Hilfswerk Hamburg in den Räumen des Diakonie-Zentrums für Wohnungslose, Bundesstraße 101 eine hausärztliche Sprechstunde für Menschen ohne Papiere an. Die medizinische Sprechstunde steht allen Migrantinnen und Migranten aus Nicht-EU-Staaten, die ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Hamburg leben, zur Verfügung. Die Sprechstunde ist anonym und kostenlos, die Projektmitarbeiter sprechen deutsch, englisch und spanisch. Offene Sprechstunden gibt es Dienstags von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr und Freitags von 8.00 Uhr bis 10.00 Uhr.

Neben der Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt informiert eine Sozialberaterin zu Fragen des Aufenthaltsrechtes und der Krankenversicherung.
Uwe Clausen, Arzt und Leiter der Ärztlichen Sprechstunde: "Leichte Krankheiten können wir hier vor Ort behandeln und so verhindern, dass daraus durch Verschleppung ein echter Notfall wird. Wenn es um größere Probleme geht oder mehr Diagnostik nötig ist, werden wir mit einem Netz von Kollegen zusammenarbeiten."
Carolina Martinez, Sozialberaterin im Projekt: „Ganz wichtig ist, dass die Patienten wissen: Sie sind geschützt, wenn sie zu uns kommen. Sie können auch ihre Daten angeben, damit die Kosten abgerechnet werden können. Das ist anders als früher, denn die Sozialbehörden sind nun verpflichtet, diese Daten nicht weiterzugeben."

Die Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 € in 2011 übernimmt eine Hamburger Stiftung.
Peter Ogon, Leiter des Fachbereiches Integration und soziale Beratung im Diakonie-Hilfswerk Hamburg betonte anlässlich der Eröffnung: "Neben der praktischen Hilfe wollen wir auch die politischen Rahmenbedingungen verbessern. Insbesondere die verlängerte ärztliche Schweigepflicht und die Verlängerung der Schutzfrist von Schwangeren vor und nach der Geburt müssen in Hamburg von den Behörden offensiv kommuniziert und umgesetzt werden. Denn nach wie vor gilt: Die medizinische Basisversorgung ist ein Grundrecht, das unabhängig vom Aufenthaltsstatus für alle Menschen gilt."
Im Gegensatz zu anderen deutschen Großstädten gibt es in Hamburg keine geregelte und angemessen finanzierte Gesundheitsversorgung für Menschen ohne Papiere. Zwischen 6.000 und 22.000 Menschen leben und arbeiten laut einer Studie des Diakonischen Werkes in Hamburg ohne Papiere – ständig in Angst vor Entdeckung und Abschiebung. Wurden sie krank, waren sie bis jetzt vor allem auf ehrenamtliche Leistungen von Hamburger Ärzten angewiesen. Die hausärztliche Sprechstunde der Diakonie ist die erste, die mit einem festangestellten Arzt besetzt ist und zusätzlich Sozialberatung bietet.

Veröffentlicht am 10. Februar 2011