Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Diakonie kritisiert: Pflegereform bringt nur geringfügige Verbesserungen

Die ernüchternde Erkenntnis: Die Bundesregierung hat mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz die großen Probleme der Pflegeversicherung nicht aufgegriffen und nur unzureichende Verbesserungen für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen geschaffen. Eine kurzfristige Verbesserung gibt es für an Demenz Erkrankte, die zu Hause leben, während die Situation in Senioren- und Pflegeheimen unverändert bleibt. Die Diakonie befürchtet zudem, dass potentielle Leistungsempfänger an hohen bürokratischen Hürden scheitern könnten.

Das Diakonische Werk Hamburg bedauert sehr, dass die Pflegereform den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht umgesetzt hat. Katrin Kell, Leiterin des Fachbereichs Pflege und soziale Hilfen: „Allgemeine Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung, Kommunikation und soziale Teilhabe sind wichtige Aspekte des Pflegebedarfs. Würden sie angemessener berücksichtigt, könnten sie Defiziten in der Pflegeversorgung vorbeugen.“

Sie begrüße zwar, dass es ab 2013 für die rund 25.000 Hamburger Demenzerkrankten, die Zuhause lebten, höhere Leistungen geben wird. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Unterstützungsbedarf zu decken und die Angehörigen nachhaltig zu entlasten. Demenzkranke ohne Pflegestufe (so genannte Pflegestufe 0) erhalten ab 2013 monatlich ein Pflegegeld von 120 Euro oder Pflegesachleistungen bis zu 225 Euro. Erforderlich wären nach Berechnungen der Diakonie ein deutlich höherer Betrag und geeignete Maßnahmen für die wachsende Anzahl demenziell Erkrankter, mit der laut demographischer Entwicklung gerechnet werden muss.

Kritisch sieht das Diakonische Werk Hamburg die zukünftige Wahlfreiheit der Pflegebedürftigen. Sie werden bei den Leistungen zwischen Zeitvolumen und Leistungskomplexen entscheiden können. Dies macht den Leistungsdschungel nicht durchsichtiger und stellt die ausführenden Pflegedienste bei der Umsetzung vor erhebliche Probleme: Die ambulante Pflege lässt sich kaum mehr kalkulieren. Und schließlich ist zu befürchten, dass hohe bürokratische Hürden die potentiellen Leistungsempfängerinnen und –empfänger von einer Antragstellung abhalten könnten.

„Unverständlich ist“, so Katrin Kell, „dass in der Pflegereform die Situation der Senioren- und Pflegeheime nahezu ganz ausgeklammert wurde.“ Im Vorfeld hatte sich die Diakonie nachdrücklich für einen verbesserten Personalschlüssel für Betreuungsassistenten in stationären Einrichtungen stark gemacht. Das Ergebnis sei keinesfalls zufriedenstellend, auch wenn zukünftig Betreuungskräfte in Tagespflegeeinrichtungen eingesetzt werden können.

Scharf kritisiert die Diakonie, dass angesichts des Fachpersonalmangels die tarifliche Vergütung für Pflegekräfte nicht im Gesetz verankert wurde. Sie befürchtet eine Ausrichtung am Mindestlohn und weitere Einbußen für das Berufsbild. „Hier brauchen wir ein zukunftstaugliches Gesamtkonzept“, so Kell.

*Kontakt:*Diakonisches Werk Hamburg, Königstraße 54, 22767 Hamburg
Fachbereich Pflege und Soziale Hilfen, Katrin Kell, (040) 306 20-299, kell@diakonie-hamburg.de

 

Veröffentlicht am 4. Juli 2012