Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Demenzkranke sind Opfer der Kürzungen im Sozialhaushalt

Langwierige Verhandlungen der Hamburger Diakonie mit der Behörde für Gesundheit und Soziales (BSG) zur Finanzierung von Wohngemeinschaften für Demenzkranke in stationären Einrichtungen sind jetzt gescheitert. Der für Pflege zuständige Diakonie-Vorstand Stefan Rehm erläutert: „Die Sozialbehörde hat deutlich gemacht, dass sie wegen der Sparmaßnahmen das dafür notwendige zusätzliche Personal nicht finanzieren will. Die fachlich und politisch eigentlich gewollte und unumstrittene Verbreitung und der Betrieb der Wohngemeinschaften sind durch die Sparpläne der Sozialbehörde akut gefährdet." 

Seit einigen Jahren sind Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz immer weiter verbreitet. In überschaubaren, familienähnlichen Gruppen wird dort der Alltag für und von Demente so normal wie möglich gestaltet. Die Betreuung in diesen Wohngemeinschaften unterscheidet sich von anderen Betreuungsformen durch die ständige Anwesenheit einer Präsenzkraft, die sich um die normalen Dinge des täglichen Lebens kümmert, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern kocht und die Alltagsbetreuung sicherstellt. Diese wichtige alltagsnahe Betreuung trägt zu einer vertrauten und verlässlichen Umgebung bei, die gerade für demente Menschen die Lebensqualität trotz und mit dieser Krankheit erheblich verbessert. Dies wurde angesichts der unzureichenden Berücksichtigung der Krankheit Demenz bei der Einstufung in die jeweiligen Pflegestufen durch die Pflegeversicherung bisher von allen Seiten begrüßt und unterstützt.

Wohngemeinschaften auch in Pflegeheimen zu ermöglichen und zu etablieren war Ziel der seit 2003 gemeinsam mit der Sozialbehörde erarbeiteten qualitativen Grundlagen für den Betrieb von Wohngemeinschaften. Diese gemeinsamen Bemühungen mündeten in den von der Sozialbehörde verabschiedeten „Fachlichen Anforderungen an die Qualitätsentwicklung in stationären Wohngemeinschaften“. Mehrere Träger von Pflegeeinrichtungen haben sich in der Zwischenzeit auf dieser Grundlage mit der Entwicklung der neuen Konzepte beschäftigt und sie zum Teil schon umgesetzt. So sind im ELIM Seniorencentrum Bergedorf zwei Wohngemeinschaften entstanden, in denen 24 Menschen mit Demenz betreut und gepflegt werden. Der Betrieb dieser Wohngemeinschaften ist auf Grund der kontinuierlichen Anwesenheit der Präsenzkräfte personalintensiv und dadurch teurer als herkömmliche Pflegeeinrichtungen. Unter den derzeitigen Bedingungen werden je nach Belegungsstruktur rund zwei zusätzliche Kräfte für die Betreuung von 24 Bewohnerinnen und Bewohnern in den beiden Wohngemeinschaften benötigt.

Das Diakonische Werk fordert die Sozialbehörde auf, die Finanzierung des Mehrbedarfs in Wohngemeinschaften sicherzustellen, um so die Versorgung von Menschen mit Demenz zu verbessern.

Stefan Rehm: „Die Sozialbehörde muss ihrer eigenen jahrelangen Forderung nach mehr Wohngemeinschaften für Demenzkranke Taten folgen lassen und die Finanzierung sicherstellen. Die Konsolidierung des Haushalts darf nicht zu Lasten der alten und dementen Menschen gehen."

Veröffentlicht am 6. Januar 2010