Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Bürgerschaft liegt Gesetz zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse zur Abstimmung vor

Diakonie Hamburg mahnt Integration in den Arbeitsmarkt an. Geweckte Hoffnungen dürfen nicht enttäuscht werden.

In der heutigen Sitzung stimmt die Bürgerschaft über das Hamburger Gesetz zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen ab. Das Diakonische Werk Hamburg begrüßt, dass Hamburg damit als erstes Bundesland ein eigenes Landes-Anerkennungsgesetz beschließen will.

Für landesrechtlich reglementierte Berufe sollen damit künftig dieselben Regeln gelten, die seit 1. April bereits für bundesrechtlich reglementierte Berufe angewandt werden. Zu den landesrechtlich reglementierten Berufe zählen Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Ingenieur und Lebensmittelchemiker. Außerdem führt Hamburg mit dem Gesetz einen Rechtsanspruch auf eine unabhängige Anerkennungsberatung ein.

Dazu erklärt Gabi Brasch, Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg: „Wir freuen uns, dass Hamburg beim Thema Anerkennung ausländischer Abschlüsse auch weiterhin eine Vorreiterrolle einnehmen wird. Das Diakonische Werk Hamburg hat sich seit langem für Erleichterungen bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen eingesetzt. Eine wichtige Forderung war dabei, dass Migrant/-innen bei Bedarf eine qualifizierte und unabhängige Beratung bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse bekommen. Das ist jetzt in das Hamburgische Gesetz aufgenommen worden. Dies bestätigt die Arbeit der diakonischen Beratungsstelle „Zentralen Anlaufstelle Anerkennung" (ZAA) und ergänzt die schon bestehende finanzielle Unterstützung durch das Hamburger Stipendienprogramm.“

Aus Sicht der Diakonie sind die gesetzlichen Regelungen aber nur ein erster Schritt: „Die Anerkennungsgesetze im Bund und jetzt in Hamburg wecken große Hoffnungen. Für den Schritt von der Anerkennung zum Job ist jedoch mehr nötig. Betriebe und Arbeitgeber müssen auch bereit sein, Menschen mit ausländischen Abschlüssen einzustellen. Gelungene Anerkennung endet nicht mit dem Behördenbescheid, sondern mit der qualifizierten Integration auf dem Arbeitsmarkt“, so Brasch


Weitere Infos
Michael Gwosdz, Projektleitung „Zentrale Anlaufstelle Anerkennung“
Telefon 040 30 62 0-254
gwosdz@diakonie-hamburg.de

 

*Bilanz: "Zentrale Anlaufstelle Anerkennung" (ZAA) *

Im Diakonischen Werk Hamburg berät seit 1. Oktober 2010 die von der Stadt Hamburg und dem Europäischen Sozialfonds finanzierte „Zentrale Anlaufstelle Anerkennung“ Menschen mit ausländischen Abschlüssen. Bislang nahmen über 1.300 Menschen in über 1.800 Beratungsgesprächen das Angebot wahr. Das Team der ZAA bespricht mit allen ratsuchenden Menschen, ob die Anerkennung ihres Abschlusses nötig ist. Trifft dies zu, vermittelt die ZAA zur richtigen Anerkennungsstelle, hilft beim Ausfüllen der Anträge und begleitet durch das Anerkennungsverfahren.

Die ratsuchenden Personen stammen aus 108 unterschiedlichen Ländern. Am häufigsten vertreten sind dabei Staaten der ehemaligen Sowjetunion (31 Prozent), der Europäischen Union (21 Prozent), aus Lateinamerika (10 Prozent). Unter den einzelnen Staaten liegen auf den ersten drei Plätzen Russland (17,1 Prozent), Polen (10,9 Prozent) und die Türkei (7,3 Prozent). Mehr als jede/r vierte Ratsuchende bringt dabei eine Qualifikation in einem pädagogischen Beruf mit (26,5 Prozent). Es folgen Ingenieure (13,3 Prozent), Wirtschaftswissenschaftler/innen (12 Prozent), Handwerker/innen (10,3 Prozent), Pflegekräfte und andere Gesundheitsfachberufe (9,8 Prozent). Zwei Drittel der ratsuchenden Menschen waren Frauen.

 

Veröffentlicht am 14. Juni 2012