Diakonie Hamburg

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Über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung

Lupe Landespastor Dirk Ahrens sprach beim Abend der Begegnung zum Thema Digitalisierung

Der Abend der Begegnung der Diakonie am Dienstagabend stand ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Das wurde nicht nur an der lebensgroßen Martin Luther-Playmobilfigur deutlich, der die rund 350 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft bereits im Eingangsbereich begegneten. Auch die Redner beschäftigten sich in ihren Impulsen mit den Auslöserfaktoren und Umständen der Reformation vor 500 Jahren und schafften die Brücke zu heutigen Entwicklungen und Fragen, denen sich Diakonie, Kirche und Gesellschaft stellen.

So machte Landesbischoff Gerhard Ulrich in seinem Vortrag deutlich, dass der Ertrag der Reformation für Diakonie und Gesellschaft geschenkte Freiheit und der Dienst am Nächsten sei: "Freiheit gibt es nach Luther nicht ohne Bindung, nicht ohne Verantwortung. Der Mensch ist von Gott dazu berufen, dem Mitmenschen zu dienen. Das prägt bis heute unser Zusammenleben, auch im modernen Sozialstaat. Daran immer wieder zu erinnern, sehe ich als Auftrag von Kirche und Diakonie." Diakonie sei ein unverzichtbarer Bestandteil kirchlichen Handelns und fester Bestandteil der Daseinsfürsorge und -vorsorge in der Gesellschaft, sagte der Landesbischof weiter. Gerade durch die Diakonie stelle sich Kirche den Herausforderungen einer ökonomisierten Gesellschaft. Deshalb sei es gut, innezuhalten und sich der Kraft zu vergewissern, die in uns wirke – der biblischen und der reformatorischen:

"Martin Luthers befreiende Erkenntnis, dass wir die Gnade Gottes im Glauben geschenkt bekommen und sie uns keineswegs durch gute Werke verdienen müssen, befreite zugleich die Armen aus ihrer Rolle als Instrumente für das Heil der Besitzenden. Armut geriet als Armut in den Blick, und das menschliche Tun richtete sich fortan auf den Mitmenschen, auf die Gesellschaft und auf die Kirche in der Gesellschaft: Der Mensch ist von Gott dazu berufen, dem Mitmenschen zu dienen. Mit der Reformation vollzieht sich eine Aufwertung der Gesellschaft und des Auftrags, sie zu gestalten. So ist die Reformation eine offene Lerngeschichte und die Diakonie ein Teil davon. Es war, ist und bleibt jeder Generation möglich, neue Impulse aus den alten reformatorischen Erfahrungen zu gewinnen", so Landesbischof Gerhard Ulrich.

Neue Impulse aus den reformatorischen Erfahrungen zog dann Landespastor Dirk Ahrens und sprach in seinem Vortrag über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung: "Wie zu Luthers Zeiten stecken wir mitten in einer grundlegenden Medienrevolution. Luther hat damals die neuen Chancen, die der Buchdruck bot, begeistert genutzt und hat seinen Beitrag zur Turbulenz jener Zeiten geleistet. Man hätte sich mit guten Gründen anders entscheiden können. Dann gäbe es heute ziemlich sicher keine Lutherische Kirche. Und wir? Durch das um uns herum geradezu explodierende Wissen beginnen wir zu verstehen, dass uns die Welt von morgen möglicherweise sehr fremd sein wird. Das ist beunruhigend und auch kränkend, denn all unser Wissen, unsere mühsam erworbene Bildung, unsere Expertise wird in dem Maße wertlos, wie wir nicht bereit sind uns auf neue Technologien einzulassen, die wir kaum verstehen."

Dabei würden wir zu schnell an Roboter und Raumschiffe denken und häufig das Naheliegende übersehen, so Dirk Ahrens. Dank Digitalisierung würden neue Akteure auf die Bühne treten, die mit neuen Wegen äußerst effektiv arbeiteten. Das Schlüsselwort sei hier Kommunikation und dabei insbesondere neue Formen der Kommunikation: Handys, Soziale Netzwerke und einige dafür geeignete Apps. Das werfe Fragen für die Wohlfahrtsverbände auf: "Sind wir noch zeitgemäß aufgestellt? Nutzen wir noch die richtigen Kanäle und haben wir noch angemessene Arbeitsformen, um das notwendige politische Gewicht zu entfalten? Auf diese Fragen müssen wir Antworten finden, um nicht an Relevanz zu verlieren", so der Landespastor.

Gerade im Hinblick auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt sei es in diesem Sinne gut, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen und sie zu erproben, denn nur wer kompetent sei, würde auch mitreden und mitgestalten können, plädierte Dirk Ahrens. "Will die Diakonie auch künftig ihrem Selbstverständnis als Anwältin, Dienstleisterin und Solidaritätsstifterin gerecht werden, dann muss sie diesen Wandel mitgestalten. Da sind wir schon auf einem guten Weg. Ich wünsche mir, dass wir da nicht nur reaktiv warnend und mahnend unterwegs sein werden, sondern auch offensiv Chancen thematisieren und nutzen."

Veröffentlicht am 20. September 2017