Diakonie Hamburg

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Tarife in der Pflege: Ausstieg ist die falsche Antwort

Lupe Stefan Rehm, Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg

Stefan Rehm, Vorstand im Diakonischen Werk Hamburg antwortet auf Hans Jürgen Benedicts Beitrag "Ausstieg aus dem Dumping" in der Evangelischen Zeitung am 12.1.2014. Erschienen in der Evangelischen Zeitung am 2.2.2014.

Die Diakonie darf nicht resignieren, sondern muss für faire Spielregeln und eine bessere Refinanzierung kämpfen. Das Problem ist nicht primär die Existenz privater Anbieter, sondern die schlechten Refinanzierungsbedingungen durch die öffentlichen Kostenträger. Der Staat hat bewusst Konkurrenz und Refinanzierungsdruck in das Sozial- und Gesundheitswesen gebracht. Private Anbieter haben als Antwort ihre Mitarbeiterschaft in Teilen deutlich schlechter bezahlt als Tarifanwender (wie zum Bespiel die Diakonie). Die Folge: Preisvorteile im Wettbewerb und bessere Renditen für die Privaten. Die Diakonie arbeitet gegen diesen Trend: Wir setzen uns für bessere Rahmenbedingungen für die Arbeit unserer Betriebe und für die Arbeitnehmer ein. Hohe Qualität und guteStandards sind unsere Ziele zum Wohle der Klienten. Für eine bessere Refinanzierung engagieren wir uns aktuell auch im Schulterschluss mit den Gewerkschaften und anderen Initiativen im "Bündnis für gute Pflege".
Sicher kommt es aus wirtschaftlichen Gründen auch im kirchlich-diakonischen Bereich zu Outsourcing. Die Diakonie fordert von ihren Mitgliedern dann mindestens die Anwendung der gängigen Tarifverträge für diese Dienstleistungsbereiche – trotz aller Konkurrenz. Nach einer Umfrage des Diakonischen Werkes Hamburg ist Outsourcing jedoch keineswegs weit verbreitet.
Die Diakonie zahlt fast immer bessere Löhne als nichtkirchliche Arbeitgeber: Im Vergleich zu den öffentlichen und den anderen tarifgebundenen Arbeitgebern zahlen wir in Hamburg und Schleswig-Holstein auf derem Niveau, in verschiedenen Berufsgruppen besser. Die größten Unterschiede bestehen gegenüber den nichttarifgebundenen Arbeitgebern: Diese sind überwiegend erwerbswirtschaftliche Betriebe und inzwischen leider auch viele Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, die auf den Konkurrenzdruck und die schlechte Refinanzierung mit Austritt aus den Tarifverträgen reagiert haben.
Bei der Diakonie liegt der geringste Lohn der kirchlichen Tarife KAT und KTD für nicht examinierte Pflegekräfte bei 9,36 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn in der Pflege (9 Euro) wird mit mindestens 10,68 Euro von den kirchlichen Tarifanwendern der Diakonie bei weitem übertroffen. Konkurrenznachteile hat die Diakonie jedoch nicht bei der Bezahlung der examinierten Pflegekräfte – denn hier herrscht Fachkräftemangel – sondern bei der Bezahlung des unqualifizierten Personals: Hier zahlen Kirchen und Diakonie deutlich bessere Löhne.
Die Diakonie ist ein fairer Arbeitgeber. Wir wollen christlich geprägte Sozialarbeit für unseren Nächsten anbieten und dieses Feld nicht kampflos den erwerbswirtschaftlichen Betrieben überlassen, bei denen es immer zuerst um maximalen Gewinn geht. Ein Ausstieg der Diakonie aus dem Sozial- und Gesundheitswesen wäre Resignation.

Veröffentlicht am 7. Februar 2014