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Sie sind wie Du: Hilfe für Flüchtlinge ist Nächstenliebe

Lupe Weltweit sind rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht.

Rund 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Was treibt Menschen zu diesem Schritt? Wie sieht Hilfe in den Ländern aus? Was können wir in Europa tun? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Veranstaltung von Brot für die Welt am Mittwochabend im Dorothee-Sölle-Haus in Hamburg. Zu Gast war Sophia Wirsching, Expertin für die Themen Flucht und Migration bei Brot für die Welt in Berlin.

In seiner Begrüßung ging Landespastor Dirk Ahrens darauf ein, dass Hilfe für Flüchtlinge gelebte Nächstenliebe ist.

Auszüge aus der Begrüßung von Landespastor Ahrens
„‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, denn er ist wie Du‘, sagen Martin Buber und Franz Rosenzweig in ihrer Bibelübersetzung. Er ist wie Du. Sie ist wie Du. Menschen auf der Flucht sind uns nicht fremd: Sie sind wie wir. Sie haben die gleichen Bedürfnisse, sehnen sich nach Frieden und Ruhe, wünschen eine echte Chance für ihre Kinder, die sie lieben so wie wir unsere Kinder lieben. Sie suchen Arbeit und ein Dach über dem Kopf. Kaum einer träumt davon, von Sozialhilfe zu leben, so wie ja auch von uns nur die wenigsten davon träumen. Sie sind wie wir und wenn sie krank und in Not sind, dann hoffen sie auf eine hilfreiche medizinische Versorgung und auf Menschen, die ihre Hand ausstrecken.

Tausende Menschen in Hamburg haben das verstanden und engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Sie wissen: Sie sind wie wir. Und die Weisen unter den Ehrenamtlichen wissen sogar: Was ihnen passiert, kann auch uns passieren. Sie teilen Zeit und Energie, Geld und Kleidung und manchmal sogar den Wohnraum. Ich sage, es gibt keine glaubwürdigere Liebe zu Gott als die zu seinen Geschöpfen!  

Bisher zumindest hatten wir in Hamburg nichts wirklich auszustehen und gleichzeitig wird uns so nebenbei bei dem größten Problem geholfen, das wir tatsächlich haben: Es sterben in unserem Land jeden Tag viel mehr Menschen, als durch Geburten und Zuwanderung hinzukommen. Das wäre auch dann noch so, wenn wir wirklich jeden Menschen, der es bis zu uns schafft, dauerhaft in unserem Land halten könnten. Es wäre gut, wenn sich die Politik trauen würde, uns das zu sagen. Und dass ein gutes Zusammenleben und gelingende Integration natürlich nicht zum Nulltarif zu haben sind. Ich glaube, wir würden das verstehen und wären bereit zu investieren. So wie jetzt schon tausende Hamburger, die sich nicht an der schwarzen Null sondern am Gebot der Nächstenliebe orientieren.

Wir wissen alle, dass die Situation angespannt ist, aber ich bin sicher, die Stadt Hamburg und wir alle werden das gemeinsam schaffen. Wir sind ein reiches, starkes Land und erstmals besteht unser Reichtum auch im ehrenamtlichen Engagement tausender offenherziger Hamburger. Das macht uns sehr zuversichtlich.

Heute allerdings wollen wir einen Aspekt ins Auge fassen, der in den letzten Wochen und Monaten fast immer zu kurz kommt: Die Hilfe in den Heimatländern. Menschen, denen wir das schwere Schicksal einer Flucht ersparen wollen, müssen wir in ihrer Heimat helfen, Lebensperspektiven zu entwickeln.“

Anregendes Gespräch
Im anschließenden Gespräch gab Sophia Wirsching einen Überblick über weltweite Flüchtlingsströme. Deutlich wurde: Nur die wenigsten schaffen es bis Europa. Hauptaufnahmeländer der fast 60 Mio. Menschen auf der Flucht sind Libanon, Türkei, Pakistan, Iran oder Äthiopien. Neben Krieg und politischer Bedrohung führen zunehmend auch Klimaveränderungen und Umwelt- und Hungerkatastrophen zu Flüchtlingsströmen.

In der Diskussion ging Wirsching auch auf eine Frage nach der Rolle der Schlepper ein sowie den Vorschlag, Aufnahmelage schon in Nordafrika und anderen Ländern zu errichten. Wirsching sagte, dass die Schlepper nicht das eigentliche Problem sind. Auch Aufnahmelager außerhalb Europas und eine Verstärkung der Außengrenzen seien nicht zielführend. Wenn Menschen wegen großer Not ihre Heimat verließen, würden sie sich im Zweifel andere Routen suchen. Viel wichtiger sei es, legale Wege nach Europa zu schaffen.

Veröffentlicht am 13. August 2015