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Linda Corleis im Interview zum Kirchlichen Bündnis zum G20-Gipfel

Lupe Linda Corleis, Referentin für Brot für die Welt beim Diakonischen Werk Hamburg

Die Diakonie Hamburg ist, neben vielen anderen, Mitglied des "Kirchlichen Bündnisses zum G20-Gipfel". Dieses hat sich unter dem Motto „global.gerecht.gestalten“ gegründet, um mit Fürbitte und Engagement die Gipfelberatungen zu begleiten und sich an friedlichen Aktivitäten vor und während des Gipfels in Norddeutschland zu beteiligen. Linda Corleis, Referentin für Brot für die Welt des Diakonischen Werks Hamburg, ist Teil der Koordinierungsrunde des Kirchlichen Bündnisses. Im Interview beantwortet sie einige Fragen dazu.


Warum steht das Bündnis G20 kritisch gegenüber?

Als Kirche und Diakonie müssen wir die weltweiten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen immer wieder hinterfragen und auch Veränderungen fordern. Bei dem bevorstehenden G20 Gipfel in Hamburg geht es um die künftige Gestaltung der globalen Wirtschafts- und Finanzordnung. Die Gruppe der G20 schreibt sich dabei die zentrale Steuerungsrolle der Weltwirtschaft selbst zu und begründet ihren Führungsanspruch dadurch, dass sie rund zwei Drittel der Weltbevölkerung stellen, und drei Viertel des Welthandels bestreiten.  Wir kritisieren, dass das ärmste Drittel der Weltbevölkerung, insgesamt 174 Länder, von dem selbst ernannten Zusammenschluss der wirtschaftsstärksten Industrie- und Schwellenländer ausgeschlossen ist. Das Kirchliche Bündnis will daher insbesondere die Positionen der Menschen, die nicht von den G20 vertreten werden, hörbar machen, verstärken und ihre Anfragen an unseren Wirtschafts- und Lebensstil ernst nehmen. Denn ohne weltweite Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ist der weltweite Frieden in Gefahr.  

Was fordert das Bündnis?

Mit dem Kirchlichen Bündnis setzen wir uns für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung ein. Die wachstumsorientierten Weltwirtschaftsstrategien müssen in Richtung einer sozial-ökologischen Transformation verändert werden: Um die wachsende soziale Ungleichheit und die ökologischen Krisen zu überwinden, brauchen wir ein neues Wohlstandsmodell mit anderen Formen der Ernährung und Mobilität, der Energieversorgung und Kommunikation, des Wohnens und Kleidens. Die G20 sollten sich ihrer globalen Verantwortung bewusst werden und sich auf Ziele verpflichten, die ein menschenwürdiges Leben für alle ermöglichen, den Klimawandel begrenzen und Fluchtursachen verhindern.
Die konkreten Forderungen im Wortlaut finden Sie auf der Website des Bündnisses

Das Motto lautet „global.gerecht.gestalten.“ – was bedeutet globale Gerechtigkeit?

Globale Gerechtigkeit bedeutet, dass weltweit wirtschaftliche, politische und menschenrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein Leben in Würde für alle Menschen ermöglichen. Welche konkreten kirchlichen Positionen wir dazu vorschlagen, bringen wir in über 50 Veranstaltungen, Gottesdiensten und Andachten konstruktiv, kritisch und friedlich zum Ausdruck.
Zum Veranstaltungskalender des Bündnisses

Wie setzen sich Kirche und Diakonie dafür ein?

Zu unserem christlichen Auftrag gehört das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, für die Wahrung der Menschenwürde und der Menschenrechte hier bei uns und weltweit. In Kirche und Diakonie arbeiten wir daran seit vielen Jahren, gestärkt durch den Austausch mit internationalen Partnern: Sowohl auf politischer Ebene als auch in zahlreichen Projekten und Angeboten; beispielsweise zu Armutsbekämpfung, Verteilungs- und Klimagerechtigkeit, Migration und Fluchtursachen, Fairer Handel, Ernährungssicherung und zukunftsfähige Landwirtschaft.

Was kann jeder einzelne für globale Gerechtigkeit tun?

Zum Beispiel bei unserem täglichen Einkauf darauf achten, faire und regionale Produkte auszuwählen und Überflüssiges zu vermeiden. Weniger Fleisch und Milchprodukte auf unserem Teller sind gesund für uns, umweltschonender und ressourcensparender für die Natur. Oder wir lassen öfter mal das Auto stehen und fahren Rad, Bus oder Bahn. Auch das ehrenamtliche Engagement für Mitmenschen in unserer nächsten Nachbarschaft kann im Kleinen große Wirkung haben. Und natürlich sollten wir uns auch politisch einmischen.

Veröffentlicht am 31. Mai 2017


Interview: Wie kann die Welt gerechter werden?

Linda Corleis, Referentin Brot für die Welt bei der Diakonie Hamburg, erläuterte am 8. Juli in der Sendung "Kirchenleute heute" auf NDR 90,3 die Erwartungen an die G20 und wie die Welt gerechter werden kann.