Diakonie Hamburg

Pressemeldung

Fall "Jeremie": Zirkus-Konzept ist geeignet. Diakonie fordert Rückkehr zu sachlicher Diskussion

Morgen befasst sich der Familien-, Kinder- und Jugendausschuss der Hamburger Bürgerschaft mit dem Fall Jeremie. Gabi Brasch, Vorstandsmitglied des Diakonischen Werkes Hamburg zur aktuellen Diskussion: „Erstens ist das Konzept der individualpädagogischen Betreuung ­–­ auch in einem Zirkus ­­– grundsätzlich geeignet für Kinder und Jugendliche mit hoch problematischen Lebensläufen. Zweitens sind die Kosten zwar höher als bei den üblichen Hamburger Angeboten, da hier nur ein Kind statt zwei pro Betreuer versorgt wird. Die Alternative zu individualpädagogischen Projekten ist aber die geschlossene Unterbringung und diese ist doppelt so teuer. Wir appellieren an alle, eine strikt fach- und sachorientierte Diskussion über die Konzepte der Jugendhilfe zu führen. Das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen muss wieder im Zentrum stehen."

Individualpädagogische Projekte sind besonders für Kinder und Jugendliche, die sich nicht auf die üblichen professionellen Hilfe- und Bildungsangebote einlassen, geeignet. Der Wechsel von Orten verbunden mit einem ungewöhnlichen Alltag macht die Projekte gerade für diese Kinder attraktiv und kann hoch problematischen Entwicklungsverläufen entgegenwirken. Das Diakonische Werk Hamburg hält zwar die stationäre Unterbringung der Hälfte der Hamburger Kinder außerhalb von Hamburg für zu hoch. Dennoch gilt: für manche Hamburger Kinder ist genau eine solche auswärtige Unterbringung richtig.

Wenn die direkten Bezugspersonen – im Fall Jeremie die „Zirkusmutter" – keinen formalen pädagogischen Abschluss besitzt, hat die Prüfung der persönlichen Eignung (nach § 72 SGB VIII) der Bezugsperson einen besonderen Stellenwert. Die regelmäßige pädagogisch-psychologische Beratung, Reflexion, Supervision und Fortbildung kann in diesen besonderen Fällen die notwendige Fachlichkeit sicherstellen.

Die monatlichen Kosten individualpädagogischer Betreuung bestehen aus der Anstellung (Erziehergehalt, Sicherstellung der Dienst- und Fachaufsicht) der Bezugsperson beim Träger, damit eine eins zu eins Betreuung sichergestellt ist. Dazu kommen Mietanteile, Sachkosten und die Kosten für die pädagogische Beratung, Leitungs- und Verwaltungsanteile.

Die Rechtsgrundlage dieser Hilfeleistung (§ 35 SGB VIII – intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung) lässt nach Gesetzeskommentierung einen breiten Spielraum in der Praxis zu:  Sie ist weder eine ambulante Form noch eine Sonderform der Heimerziehung. Regelmäßig werden „unter § 35" Jugendliche in Einzelwohnungen betreut. Die Betreuung von Kindern in der hier vorliegendenForm ist aber auch über diese Rechtsgrundlage abgedeckt. Die Grenzen zur betreuten Wohnform nach § 34 SGB VIII sind dabei fließend.

Die Beschulung von Schulverweigerern, aber auch von Kindern, deren Eltern in „fahrenden Gewerben" (Schausteller, Flussschiffer) arbeiten, passt sich den ungewöhnlichen Bedingungen an. So wird sie zum Beispiel in dem Zirkusprojekt von einer staatlich anerkannten Förderschule mit der Möglichkeit eines Hauptschulabschlusses durchgeführt.

Der Neukirchener Erziehungsverein, der die Betreuung von Jeremie übernommen hat, ist seit Dezember 2009 Mitglied im Diakonischen Werk Hamburg. Seit dieser Zeit bietet der Verein auch Hamburger Kindern individualpädagogische Projekte an und hat eine Außenstelle in Hamburg eingerichtet. Der bundesweit anerkannte Träger ist in die Hamburger Fachdiskussionen eingebunden. Sein Konzept wurde hier ausführlich diskutiert und als sehr gute Ergänzung anderer Hamburger Angebote bewertet.

Das Diakonische Werk Hamburg hofft, dass Jeremie bald wohlbehalten aufgefunden wird und alle Betroffenen und Verantwortlichen einen Weg finden, der Jeremie eine gute Zukunft eröffnet.

Veröffentlicht am 3. Dezember 2012



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