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Betreuung in Kitas: Mehr Große für die Kleinen

Lupe

Nach aufwendigen Verhandlungen haben sich die Wohlfahrtsverbände mit den politisch Verantwortlichen der Stadt auf den Einstieg in die Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation in den Hamburger Kitas geeinigt. Bis spätestens 2019 soll im Krippenbereich der Personalschlüssel auf eins zu vier, im Elementarbereich innerhalb von zehn Jahren auf eins zu zehn angehoben werden.

Gabi Brasch, Vorsitzende des Fachausschusses Jugendhilfe der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. (AGFW): „Wir begrüßen, dass heute endlich der Einstieg zu einer besseren Betreuung der Hamburger Kitakinder, vor allem der Krippenkinder gelungen ist. Es bleibt noch viel zu tun, angesichts der schwierigen Ausgangslage sind wir mit dem Ergebnis jedoch zufrieden. Ausdrücklich bedanken möchte ich mich für die tolle Unterstützung, die wir von vielen Eltern und den Erzieherinnen und Erziehern bekommen haben.“
 
Konkret wurde folgender Fahrplan vereinbart:
•         Ab dem 1. April 2015 zehn Prozent mehr Fachkräfte für die Krippenkinder unter zwei Jahren,
•         spätestens ab 1. August 2017 zehn Prozent mehr Fachkräfte für alle Krippenkinder,
•         spätestens am 1. August 2019 soll ein Personalschlüssel von eins zu vier für alle Krippenkinder in Hamburg erreicht sein.
 
Die notwendigen weiteren Schritte zur Verbesserung der Betreuungssituation für die Kita-Kinder ab drei Jahren (Elementarbereich) werden in weiteren Verhandlungen erarbeitet.
 
Jens Stappenbeck, Geschäftsführer der AGFW erläutert: „Uns war bei den Verhandlungen wichtig, endlich zu konkreten Ergebnissen zu kommen, die einerseits zügig in der Praxis umgesetzt werden und gleichzeitig nachhaltig wirken. Dieses Ergebnis konnte nur deshalb erzielt werden, weil sich alle Kita-Träger Hamburgs ab 2015 an diesen Verbesserungsschritten finanziell beteiligen. Und zwar für 2015 mit rund drei Millionen Euro und dann jährlich weiter ansteigend. Damit haben die Kita-Träger wesentlich zum Gelingen des Kompromisses beigetragen, der am Ende durch konstruktive Verhandlungen möglich geworden ist.“
 
Das Eckpunktepapier hält außerdem fest, dass dieser Qualitätsbeitrag der Kita-Träger nicht dazu führen darf, dass die tariflichen Vergütungen für die Kita-Mitarbeitenden gefährdet werden. Stappenbeck: „Die Kita-Träger in den Wohlfahrtsverbänden werden auch in Zukunft nach Tarif zahlen und die Stadt wird dies auch refinanzieren.“
Da es für kleine Träger schwerer ist, den Qualitätsbeitrag aufzubringen, wurden für sie Entlastungen an anderer Stelle zugesagt.
 
Hintergrund
Die Rahmenbedingungen in Hamburgs Krippen sind inakzeptabel und führen zu einer Überlastung der Fachkräfte. Das ist das Ergebnis der Studie "Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung in der Freien Hansestadt Hamburg“, die die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. (AGFW) in Auftrag gegeben hat. In reinen Krippengruppen ist in Hamburg eine Fachkraft für durchschnittlich 5,7 Babys und Kleinstkinder verantwortlich. Dabei sind Urlaub, Krankheit oder Fortbildung nicht berücksichtigt.
Die Studie gibt zehn Empfehlungen für eine bessere Praxis. Um diese zu erreichen, seien auf Dauer rund 4.000 weitere Fachkräfte nötig. Die Autorin der Studie, Prof. Dr. Susanne Viernickel von der Alice Salomon Hochschule Berlin, fordert unter anderem, dass künftig Ausfallzeiten, Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit und mehr Zeit für die Integration von Kindern mit Behinderung bei der Personalplanung berücksichtigt werden sollten.  
 
Für Rückfragen steht Ihnen Jens Stappenbeck, Geschäftsführer der AGFW, unter 040 - 23 15 86 gern zur Verfügung.

 
Die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e. V. (AGFW) ist der Zusammenschluss der anerkannten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Hamburg: Arbeiterwohlfahrt Landesverband Hamburg, Caritasverband für Hamburg, Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk Hamburg, Jüdische Gemeinde in Hamburg. Die Arbeitsgemeinschaft fördert die Abstimmung und Koordination gemeinsamer Positionen, übernimmt die Außenvertretung dieser  Positionen, unterstützt den Erfahrungsaustausch und führt gemeinsame Veranstaltungen durch (z.B. die AKTIVOLI-Freiwilligenbörse).

Veröffentlicht am 11. Dezember 2014