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Ahrens: "Integration braucht Willkommenskultur"

Lupe Landespastor Dirk Ahrens sprach beim Abend der Begegnung zum Thema Integration

Für die Verbindung von Integration und Willkommenskultur plädierte der Hamburger Diakoniechef Landespastor Dirk Ahrens beim Abend der Begegnung der Diakonie am Mittwochabend in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft.

In seiner Rede wandte sich Ahrens gegen das zurzeit von Teilen der Politik proklamierte Ende der Willkommenskultur: „Das ist eine gefährliche Bewegung, nicht nur für unser Land insgesamt, sondern auch für die vor uns liegenden Aufgaben. Integration ohne Willkommenskultur ist nicht denkbar.“

Auch die sogenannte Werte-Debatte in Bezug auf Flüchtlinge müsse durchaus hinterfragt werden: „Es ist zwar grundsätzlich gut, wenn unsere Gesellschaft über Werte diskutiert, aber während sie das tut, bringt sie Flüchtlinge monatelang in Baumärkten und Lagerhallen unter, und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge benötigt viel zu lange, um über die Zukunftsperspektive eines Menschen zu entscheiden. Während die Flüchtlinge ausgebremst, geparkt und verunsichert warten müssen, stellen sie sich möglicherweise ganz andere Wertefragen: Warum darf ich nicht einfach dort leben, wo schon Verwandte und Freunde von mir warten? Weshalb erwartet man von mir, Deutsch sprechen zu können und lässt mich dennoch nicht in einen der Deutschkurse? Warum erlaubt man mir nicht, für mich selbst zu sorgen? Warum behandelt man mich wie einen Gegenstand und nicht wie einen Menschen?“

Nötig für eine erfolgreiche Integrationspolitik sei weiterhin ein Einwanderungsgesetz und der Aufbau eines professionellen Integrationsmanagements. Auch das Angebot der doppelten Staatsbürgerschaft sei ein wichtiger Beitrag zur Integration und dürfe nicht aufgegeben werden: „Die aufnehmende Gesellschaft zeigt, dass sie die Situation von Zuwanderern ernst nimmt und würdigt. Sie zeigt, dass sie um die Situation des Überganges weiß und respektiert, dass man nicht von heute auf morgen ein anderer werden kann. Zu einer solchen Gesellschaft möchte man gerne gehören.“

Kirche und Diakonie hätten bei den anstehenden Integrationsprozessen eine wichtige anwaltschaftliche Funktion überall dort, wo die Würde gefährdet sei: „Wir können nicht schulterzuckend wegschauen, wenn Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken oder an Grenzzäunen steckenbleiben. Es kann uns auch nicht egal sein, ob Menschen viel zu lange in prekären Notunterkünften hausen müssen. Und wenn Menschen im Wirrwarr unseres Aufenthaltsrechtes verrückt werden, dann haben wir nicht die Wahl, einfach wegzuschauen. Es geht eben nicht um eine Zuwanderer- oder Flüchtlingswelle, es geht nicht um eine unbestimmte Masse Mensch, sondern um konkrete Individuen. Alle wertvoll, wichtig und von unverbrüchlicher Würde.“ Die Kirche und die Diakonie engagierten sich nicht, weil Zuwanderer die besseren Menschen seien oder ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft, sondern weil Zuwanderer Menschen sind.

Beim Abend der Begegnung, dem jährlichen Empfang der Hamburger Diakonie, kamen am Dienstagabend rund 400 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft zusammen. Der Senat wurde durch Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks vertreten.

Veröffentlicht am 20. September 2016