Diakonie Hamburg
Erfahrungsberichte
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Sich selbständig einbringen im FSJ in der Tagesförderstätte

Ich arbeite mit behinderten Menschen in einer Tagesförderstätte (Tafö). Meine Aufgaben sind relativ einfach. Ich muss aufpassen, dass alle friedlich mit sich selbst und mit den anderen umgehen. Die Menschen, die zu uns in die Tafö kommen, können sehr, sehr wenig. Es geht in der Tagesförderung darum, diesen Menschen Aufmerksamkeit zu schenken und sich mit ihnen zu beschäftigen. Ich bin relativ frei in meinem Handeln; Ich lese mit einigen Klienten, spiele, male oder mache Musik. Viele möchten auch nur spazieren gehen, einen Kaffee trinken oder ein Stück Kuchen essen gehen.

Ich hatte bis zu meinem Beginn des FSJ kaum mit behinderten Menschen zu tun und hatte Angst, damit nicht klar zu kommen. In der ersten Zeit hat sich dieses Gefühl auch bestätigt. Ich war unsicher und wusste mit vielen Reaktionen der Bewohner nicht umzugehen. Anfangs waren wir auch sehr viele Mitarbeiter und ich kam mir häufig überflüssig vor.

Mit der Zeit habe ich aber auch gelernt, dass ich selbstständiger werden muss. Je mehr ich in die Gruppe hineinbringe, desto mehr bekomme ich zurück!

Der Alltag kann total langweilig sein, sehr stressig und auch total spannend und spaßig. Das liegt an mir bzw. am Team. Das Angebot bestimmt die Motivation.

Ich bekam im Laufe der ersten Monate ein Gefühl für die Bewohner und konnte besser mit ihnen umgehen. Ich habe mich an sie gewöhnt.

Genauso verhält es sich mit den Mitarbeitern. Es gibt immer wieder Mitarbeiter, mit denen ich bis heute kaum klar komme und andere, mit denen ich täglich rede und arbeite. Vielen Mitarbeitern sieht man auch an, dass sie schon sehr lange Zeit in der Einrichtung arbeiten: Sie führen Selbstgespräche oder werden einfach etwas unkonzentriert und sind nicht bei der Sache.

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt getan habe, weil ich in dieser Zeit viel gelernt habe: Über Behinderungen an sich, aber vor allem, über die Individualität der Menschen. Dass man mit ganz einfachen Gesten und Dingen Menschen glücklich machen kann, habe ich hier auch erfahren. 

Ein absolutes Highlight sind natürlich auch die legendären Seminare mit anderen FSJ`lern. Man tauscht sich aus, lernt andere Sichtweisen kennen und hat eine ganze Menge Spaß! 

FSJ oder nicht? Heute würde ich nicht überlegen. Ich hätte keine Zweifel. Ich würde es noch mal tun!

Stephan, 22 Jahre