Diakonie Hamburg
Erfahrungsberichte
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Mit dem BFD zu einem neuen Beruf

Lupe

Von der Versicherungsbranche in den sozialen Bereich! Kann solch ein Berufswechsel klappen? Ja, Dennis N. hat durch den Bundesfreiwilligendienst eine Festanstellung in einer Wohngruppe für Behinderte bekommen. Eine Erfolgsgeschichte.

Ich bin gelernter Bürokaufmann und habe in diesem Beruf 12 Jahre gearbeitet. Ich habe mich schon mehrere Jahre mit dem Gedanken getragen, noch einmal etwas anderes zu machen. Etwas, das Sinn stiftet. Ich konnte mir nicht vorstellen, bis zu meinem 65. Lebensjahr im Büro zu versauern. Also begann ich im Internet zu recherchieren. Ich bin dabei auf den Bundesfreiwilligendienst gestoßen. Eine tolle Möglichkeit, auch als über 30-Jähriger in den sozialen Bereich hineinzuschnuppern. Ich habe mich also bei der Diakonie beworben und einen Platz in der Behinderten-Wohngruppe im Theodor-Wenzel-Haus in Hummelsbüttel bekommen. Vorher gab ich meinen Job in der Versicherungsbranche auf. Keine Frage, dass einige Kollegen und Freunde mich für verrückt erklärt haben. Allerdings gab es auch Menschen, die diesen Schritt bewunderten.

Ich war als „BFD-Teilnehmer“ eine Art „Junge für alles“: Wenn die Behinderten nachmittags von ihrer Arbeit in den Werkstätten nach Hause kamen, war ich ihr Ansprechpartner – für alle Nöte und Sorgen. Darüber hinaus habe ich die Bewohner zum Arzt oder zu Behörden begleitet oder aber aktiv Freizeitangebote (Zoo, Disko, Musial, Freizeitpark) organisiert. Ich war auch dafür verantwortlich, dass sie zum Beispiel ihre Zimmer regelmäßig aufräumen. Sie sollen schließlich lernen, so selbstständig wie möglich zu leben.

Die Bewohner haben mir sehr schnell vertraut. Das war ein richtig tolles Gefühl, denn früher hatte ich keinen Kontakt zu Behinderten und wusste nicht, ob ich überhaupt einen Draht zu ihnen finde. Und auch mit den Kollegen und Vorgesetzten habe ich mich gleich sehr wohl gefühlt. Das Team hat mich sofort als gleichberechtigtes Mitglied aufgenommen – und mir schnell Verantwortung übertragen. Klasse an meinem Freiwilligendienst war auch, dass ich an Fortbildungen teilnehmen konnte. Etwa einmal im Monat findet so ein Seminar für alle BFD-Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt, zum Beispiel zum Thema psychische Erkrankungen, Kommunikation, Ernährung oder Erziehung.

Klar, mit dem Geld war es schon etwas knapp: Man bekommt als BFDler Taschengeld und Fahrtkostenzuschuss. Zusätzlich kann man aber noch staatliche Zuwendungen beantragen, zum Beispiel Wohngeld. Damit bin ich dann ausgekommen. Das Wichtigste für mich war einfach die Chance, mich beruflich neu zu orientieren.

Ich bin sehr froh, dass sich meine berufliche Situation so toll entwickelt hat, denn ich wusste ja vorher nicht, ob mir die Arbeit im sozialen Bereich überhaupt liegt. Nach knapp zehn Monaten hat mir meine Einrichtung dann sogar eine Festanstellung angeboten. Ich war total baff und habe mich natürlich riesig gefreut. Nun hoffe ich, dass ich im „Rauhen Haus“ einen Studienplatz bekomme. Wenn das klappt, studiere ich ab Oktober „Soziale Arbeit“ und arbeite gleichzeitig in „meiner“ Wohngruppe weiter. Ich bin sehr froh, dass ich den Mut hatte, etwas Neues anzufangen. Der Bundesfreiwilligendienst war für mich wirklich ein Segen! Denn ich komme jeden Tag nach Hause und denke: „Du hast heute Sinnvolles getan!“

Dennis N., 33 Jahre