Diakonie Hamburg
Dossier: Flüchtlinge in Hamburg: Herzlich willkommen!
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„Wir schaffen das – wenn wir alle zusammenarbeiten“

Lupe Diakoniechef Dirk Ahrens nach dem Besuch der Zentralen Erstaufnahme Schnackenburgallee

Nach einem Besuch der Zentralen Erstaufnahme (ZEA) für Flüchtlinge in der Schnackenburgallee hat Hamburgs Diakoniechef Landespastor Dirk Ahrens am Freitag die Stadt, Initiativen, Wohlfahrtsverbände und alle Hamburger aufgefordert, den „Wir schaffen das!“-Appell der Bundeskanzlerin weiterhin vorbehaltlos und kreativ zu unterstützen: „Wir schaffen das und müssen das schaffen. Das geht aber nur, wenn wir alle enger zusammenarbeiten.“   

Bei allem Verständnis für die Herausforderungen, vor denen der Senat stehe, müsse die Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Initiativen und der Stadt besser werden. Ahrens: „Wir können verstehen, dass die Innenbehörde Flüchtlinge nicht im Rahmen der Erstaufnahme in Privatquartieren unterbringen kann. Wir sind aber verwundert, dass sie nicht offensiver auf die zahlreichen und seit langem bestehenden Angebote der Diakonie und der Kirche zugeht. Wir haben mehrfach Gemeindehäuser und Trakte in diakonischen Einrichtungen angeboten. Das ist doch auf jeden Fall besser als die Zeltunterbringung.“ In den letzten Wochen gebe es allerdings Anzeichen für eine größere Offenheit der Stadt.

Ahrens zeigte sich stark beeindruckt vom Engagement der Mitarbeitenden von fördern & wohnen Ahrens: „Sie leisten hier Großartiges – und zwar für uns alle – an einem Arbeitsplatz und unter Arbeitsbedingungen, die sich wahrscheinlich kaum jemand in diesem Land vorstellen kann.“ Das gelte ebenso für den Einsatz der vielen ehrenamtlich Engagierten.

Das größte akute Problem sei, dass nach wie vor Flüchtlinge in Zelten unterbracht werden müssen. Die Situation sei nach wie vor in vielen Bereichen am Rande des Zumutbaren und zum Teil auch darüber hinaus.

Für viele Flüchtlinge sei es sehr schwierig, in der ZEA ohnmächtig warten zu müssen, was aus ihnen wird. Ahrens: „Hier werden Menschen stillgelegt und geparkt. Doch wenn wir sagen, 'Wir schaffen das', gehört dazu auch, die Flüchtlinge von Anfang an viel mehr zu beteiligen und ihnen die Chance zu geben, sich nützlich zu machen.“

Außerdem sei in den letzten Monate der Anteil der Flüchtlinge gestiegen, die stark erschöpft oder ernsthaft körperlich oder psychisch erkrankt seien: „Je härter die Fluchtwege werden und die Lage in den Herkunftsländern ist, desto kränker werden die Menschen. Um so wichtiger ist es, dass weniger Zeit vergeht bis die Flüchtlinge ihre Gesundheitskarte bekommen“, forderte Ahrens. Auch bei der Versorgung von schwer traumatisierten und behinderten Flüchtlingen gebe es "erhebliche Defizite". Hier sei zum Beispiel die Diakonie-Einrichtung "Das Rauhe Haus" eingesprungen und habe eine Sozialarbeiterin in die ZEA Schnackenburgallee geschickt. Sie betreut seit zwei Monaten mit zwanzig Wochenstunden psychisch kranke und behinderte Flüchtlinge in der Einrichtung.

Veröffentlicht am 6. November 2015