Diakonie Hamburg
Wohnungslosigkeit
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Pressemeldung

Kampagne #einfachwohnen fordert: Ab 2020 jährlich 500 Wohnungen zusätzlich für Menschen in Wohnungsnot

Lupe

Ohne einen einzigen Bagger, Bauarbeiter oder Bebauungsplan kann die Stadt ab kommenden Jahr jährlich rund 500 Wohnungen für Menschen in Wohnungsnot zusätzlich zur Verfügung stellen. Dafür muss der Senat lediglich die sogenannten Freistellungsgebiete in Mümmelmannsberg, Neuallermöhe-West, Steilshoop und Wilhelmsburg aufheben und so über 7.000 Wohnungen wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuführen.

1977 wurden in Hamburg Freistellungsgebiete eingeführt. In Mümmelmannsberg und Steilshoop wurden die Vermieter erstmals von der Pflicht befreit, ihre staatlich finanzierten Wohnungen an bedürftige Menschen zu vermieten. Noch heute leben in den verbliebenen Sozialwohnungen bis zu 7.000 Besserverdiener. Der Hintergrund: Deren Zuzug sollte die soziale Situation in den Vierteln verbessern.

„Die Situation in den Stadtteilen hat sich in den vergangenen Jahren aber nicht durch die sogenannte soziale Durchmischung verbessert, sondern durch zahlreiche Maßnahmen im Rahmen der sozialen Stadtentwicklungspolitik“, sagt Dr. Tobias Behrens von STATTBAU HAMBURG. „Es gibt keinen Hinweis auf mögliche neue Probleme, wenn man die Freistellungsgebiete aufhebt.“

„Das Instrument der Freistellungsgebiete ist völlig aus der Zeit gefallen“, kritisiert Landespastor Dirk Ahrens, Sprecher von #einfachwohnen. Gab es Ende der 1970er noch rund 380.000 Sozialwohnungen, sind es heute keine 80.000 mehr. Gleichzeitig haben rund 350.000 Haushalte rechtlich Anspruch auf die wenigen Sozialwohnungen. Ahrens: „Angesichts der Wohnungsnot sind die Freistellungsgebiete ein Luxus, den wir uns in Hamburg nicht mehr leisten können: Allein durch die normale Mieter-Fluktuation von circa sieben Prozent würden durch die Aufhebung der Freistellunggebiete jährlich mindestens 500 Sozialwohnungen frei.“

Zurzeit finden rund 12.000 Haushalte trotz offiziellem Dringlichkeitsschein in Hamburg keine Wohnungen. Deshalb fordert die Kampagne #einfachwohnen die Stadt auf, die im kommenden Jahr auslaufenden Freistellungsgebiete nicht erneut zu verlängern. 

 

Hintergrund:

Ende August starteten Diakonie, Caritas, Mieter helfen Mietern e.V. und STATTBAU im „Hamburger Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik“ gemeinsam die Kampagne #einfachwohnen. Bis zur Bürgerschaftswahl wird das Bündnis mit Aktionen und Veranstaltungen auf die dramatische Situation der Wohnungsnotfälle aufmerksam machen.

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Tobias Behrens, STATTBAU HAMBURG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH, unter 0170 31 49 344 gern zur Verfügung.

Veröffentlicht am 27. Dezember 2019