Diakonie Hamburg
Kinderarmut
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Armut wirkt doppelt negativ

Es besteht zum einen ein Mangel an Geld als grundlegender Ressource der gesellschaftlichen Teilhabe. Und zum anderen wirkt sich Armut negativ auf das eigene Selbstbild und die Einstellungen und Haltungen zum eigenen Leben aus. Die frühe Erfahrung von Verzicht auf Dinge und Möglichkeiten, die für andere Menschen wichtig und selbstverständlich sind, ist mit enttäuschten Hoffnungen und Erwartungen verbunden. Dies kann zu Resignation und Ermüdung führen, die sich in Rückzug, Scham oder auch in Wut ausdrücken. Diese jungen Menschen sind besonders verletzlich im Hinblick auf Anforderungen an Durchhaltevermögen und Motivation bei Misserfolgen und Rückschlägen.

Junge Menschen in Armutslagen müssen auf zahlreiche Aktivitäten verzichten, die ihnen Kontakte zu Gleichaltrigen ermöglichen und die andere als wichtig und selbstverständlich erachten. Für das Wohlbefinden, die Entwicklung von sozialen Kompetenzen und die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben ist die Einbindung in soziale Gruppen entscheidend. Das finanzielle Mithalten-Können und der soziale Status bestimmen die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen.

Junge Menschen in Armutslagen haben weniger Möglichkeiten zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Sie sind seltener in Vereinen, können seltener Freunde zum Essen einladen oder mit ihnen ins Kino gehen. Der Zugang zu Informationen ist eingeschränkt und sie haben weniger Rückzugsräume für Ruhe und Erholung. Schlechtere Wohnsituationen belasten das Familienklima und die Persönlichkeitsentwicklung. Gemeinsame Familienereignisse wie Urlaube oder Ausflüge und damit auch gemeinsame Erholungszeiten sind weniger möglich. Folge sind auch gesundheitliche Belastungen. Von Armut betroffene Kinder haben vermehrt Kopf- und Bauschmerzen, Schlafstörungen und sind unkonzentrierter und nervöser.

Die Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung ist eine allgemeine Erfahrung armutsbetroffener Menschen. Es bestehen Unsicherheiten über die Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit von Beziehungen. Junge Menschen nehmen die alltäglichen Sorgen ihrer Eltern wahr, bekommen diese mit und sind dadurch emotional betroffen. Sie erleben mit, welche Probleme mit der Bezahlung von z.B. Ausflügen verbunden sind. Sie haben den Eindruck: Irgendetwas ist nicht richtig! Sie nehmen die Abhängigkeit von der Unterstützung anderer wahr. Je nach Alter erleben sie schlechte Erfahrungen z.B. auf Ämtern mit oder erfahren diese selber.