Diakonie Hamburg
Interkulturelle Arbeit
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Auftaktveranstaltung

Türen auf – Vielfalt rein

Am 19. Februar feierte das neue Projekt: „Türen öffnen – Vielfalt leben vor Ort“ erfolgreich seinen Auftakt. Zum Thema interkultureller Öffnung im Gemeinwesen wurde in den Räumen des Dorothee-Sölle-Hauses getagt.

Als Impulsgeber waren zum Auftakt drei Referenten eingeladen. Mahmut Canbay, Intendant des MUT! Theaters, machte den Anfang. Er leitet eine interkulturelle Bühne in der Sternschanze, auf der er vor kurzem seine eigene Geschichte als Geflüchteter dem Hamburger Theaterpublikum präsentierte. Seine Arbeit am Theater verband Canbay schon früh mit der Arbeit als Sozialarbeiter in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Theaterpädagogik bildet dabei für ihn eine sehr gute Möglichkeit, um Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen ins Gespräch zu bringen und sich über Themen wie Kultur, Herkunft und Identität auszutauschen. Kern der pädagogischen Arbeit ist für ihn der persönliche und vertrauensvolle Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen, ohne den eine weiterführende Arbeit, wie zahlreiche Austauschreisen nach Frankreich, Israel und in die Türkei, nicht möglich wären. Anhand von unterschiedlichen Beispielen brachte er den Teilnehmenden der Veranstaltung seine Ansätze näher.

Im Anschluss fragte Michael Rothschuh, Professor an der Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen mit dem Schwerpunkt der europäischen Sozialpolitik und sozialen Bewegungen, in seinem Vortrag: Wer entscheidet in Hamburg eigentlich über die Unterbringung von Geflüchteten? Die Geflüchteten selbst sicherlich nicht. Partizipation ist für ihn Ausdruck einer demokratischen Grundhaltung und würde die Unterbringung sicherlich erleichtern. Dementgegen steht allerdings eine verschärfte Asylgesetzgebung und Verabschiedung von der Willkommenskultur. Rothschuh kritisierte zudem die Forderung, nach einer Integration in eine „weiße deutsche Leitkultur“, in die sich die Neuankömmlinge einfinden sollen, ohne dabei echte Teilhabemöglichkeiten zu haben. Die Frage nach einer inklusiven Gesellschaft mit veränderten Aufgaben und einem gehobenen Diversitätsanspruch würde hierbei nicht gestellt, sondern nur wie das Individuum sich zu verändern und anzupassen hat. Wie bricht man aber dieses System der Anpassung auf? Rothschuh sieht gerade in der Gemeinwesenarbeit eine gute  Möglichkeit, um Teilhabeprozesse zu kreieren. Die Kontakte, die daraus entstehen, können neue vielfältige Lösungen entstehen lassen. Mehr dazu in der Verschriftlichung seines Vortrags.

Zum Abschluss berichtete Joachim Barloschky, ehemaliger Quartiersmanager aus Bremen Tenever. über den Stadtteil, in dem er mit seiner Familie selbst lebt, und der für ihn ein perfektes Beispiel für interkulturelle Quartiersarbeit ist. Mit Tenever wurde in den siebziger Jahren eine Plattenbausiedlung am Bremer Stadtrand errichtet, der günstigen Wohnraum für eine große Anzahl an Menschen bieten sollte. Mit der fortschreitenden Privatisierung der Häuser, wurden diese allerdings auch allmählich heruntergewirtschaftet. Die Bewohner der Häuser kommen aus über 90 Ländern der Welt und haben einen Migrationsanteil von 70%. Barloschky beschreibt die Teveneraner dabei als junge aber auch arme Bevölkerung, mit einem hohen Anteil an ALG II Beziehenden, die neben ihrem Lohn auf aufstockende Leistungen vom Job Center angewiesen sind. Energisch gehen sie für ihre Belange auf die Straße. Das hohe Engagement über kulturelle Grenzen hinweg hatte zum Ergebnis, dass die Siedlung umfassend saniert wurde, es keine Gentrifizierung im Stadtteil gibt und eine erfolgreiche Rekommunalisierung des Wohnraums stattgefunden hat. Des Weiteren steht der Stadtteilgruppe, die über Belange und Lösungen im Stadtteil entscheidet, ein Verfügungsfond in Höhe von 300.000€ zur Verfügung. Das Gemeinwesen in Tenever hat also auch eine ordentliche finanzielle Basis, aus der das Zusammenleben gestaltet werden kann. Mehr dazu in der Verschriftlichung seines Vortrags. (Teil 1 und Teil 2)

Die Vorträge bildeten eine gute Grundlage für die anschließend sogar stellenweise kontroverse Diskussion. Es wurde zwar ausdrücklich begrüßt, über interkulturelle Öffnung im Diakonischen Werk zu tagen, dennoch stand die Personalpolitik des Hauses in der Kritik. Die Einstellungspolitik christlicher Einrichtungen ist von außen nicht immer transparent. Inzwischen werden an vielen Stellen u.a. Muslime eingestellt und die Handhabung der Loyalitätsrichtlinie diskutiert und gelockert. Gleichzeitig versucht beispielsweise das Diakonische Werk Hamburg das eigene Profil zu schärfen und mit eigenen Mitarbeiterschulungen zum diakonischen Profil seine Mitarbeitenden fortzubilden, um die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr als einziges Einstellungskriterium vorauszusetzen. Der dynamische Prozess der Interkulturellen Öffnung soll somit vorangetrieben und das Haus für neue Mitarbeitende und Hilfesuchende geöffnet werden.

Zum Ende der Veranstaltung wurde das Herzstück des Projekts, „Türen öffnen – Vielfalt leben vor Ort“, präsentiert: Ein Ideenwettbewerb, der allen offen steht, egal ob Geschäftsführer oder Sportverein. Die Organisationen und Angebote im Stadtteil sollen interkulturell geöffnet werden. Ideen hierfür können bis zum 30.09.2016 eingereicht werden. Als Preis winkt die Umsetzung der eingereichten Idee. Eine Jury wird hierfür am 03.11.2016 die besten Ideen prämieren. Alles Weitere findet man unter folgendem Link, hier wird im passenden Video alles genau erklärt: www.diakoniehh.de/superidee

Die Mischung aus Vorträgen, Diskussion und Projektpräsentation bildet eine runde Auftaktveranstaltung, die den Start für das Projekt: „Türen öffnen – Vielfalt leben vor Ort“, bildete. Mit der Prämierung des Ideenwettbewerbs im November ist der nächste Meilenstein im Projekt bereits gelegt. Wir freuen uns auf die Einsendung der Ideen und die nächste Veranstaltung.