Diakonie Hamburg
Arbeits- und Tarifrecht
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Aus Diakonie-Report 1 | 2012

Spagat zwischen Moral und Ökonomie

Lohndumping, Ausbeutung, Outsourcing. Immer wieder werden Diakonie-Einrichtungen von der Gewerkschaft Ver.di und den Medien für ihre Arbeitsbedingungen kritisiert. Jüngstes Beispiel ist die Kampagne gegen die Diakonissenanstalt „Alten Eichen“ Ende des vergangenen Jahres. Doch ist die Kritik berechtigt? Der Diakonie-Report stellt die Vorwürfe von Ver.di den Fakten der Diakonie gegenüber und zeigt den Spagat diakonischer Einrichtungen zwischen Wohlfahrt und Druck des freien Marktes.

Die Anschuldigungen wiegen schwer und werden sogar von der Staatsanwaltschaft Hamburg behandelt: Die Diakonie-Einrichtung „Alten Eichen“ soll durch Outsourcing Mitarbeitende ausgebeutet und damit Lohndumping betrieben haben. Mehr noch: Durch unrechtmäßige Zahlungen von Aufwandsentschädigungen für Minijobber soll die Diakonissenanstalt sogar Sozialbeiträge hinterzogen haben. Medien berichteten über Schwarzarbeit und Steuerbetrug bei der Diakonie und griffen gemeinsam mit der Gewerkschaft Ver.di die gesamte Diakonie an. Die Vorwürfe könnten den Ruf der Diakonie als Arbeitgeber nachhaltig schwer beschädigen. Passt das zum Selbstverständnis der Diakonie, das vor allem auf den Dienst am Menschen und Nächstenliebe baut?

Das Diakonische Werk Hamburg nahm die Vorwürfe sehr ernst und Landespastorin Annegrethe Stoltenberg forderte die Diakonissenanstalt „Alten Eichen“ unmittelbar nach Bekanntgabe der Anschuldigungen auf, diese umgehend aufzuklären. Nach Ansicht des Landesverbandes verstößt „Alten Eichen“ jedoch weder gegen das Kirchenarbeitsrecht noch gegen das Sozialgesetzbuch.

Vorstand Stefan Rehm erklärt: „Nach unserem juristischen Kenntnisstand gibt es keine Probleme.“ Trotzdem wurde schnell gehandelt und die Arbeitsbedingungen in „Alten Eichen“ vom Träger selbst auf den Prüfstand gestellt. So wurde die umstrittene Kombination von Minijobs und einer zusätzlichen Aufwandsentschädigung vollständig aufgegeben und kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe eingestellt. Denn für Diakonische Einrichtungen gelten nicht nur rechtliche Vorschriften, viel mehr müssen sie auch hohen moralischen Anforderungen gerecht werden.


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