Diakonie ist Lebens- und Wesensäußerung der Kirche in unvergleichlicher Kontinuität
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Bild: Der Barmherzige Samariter von Vincent van Gogh
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Das Diakonische Werk als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege ist als solcher eingebunden in das System des Sozialstaates der Bundesrepublik Deutschland. Es hat sich daher den Anforderungen dieses Systems in bestimmten Punkten, wie den Fragen nach Qualitätsstandards, Wettbewerbsbedingungen oder Mitarbeiterinteressen, unterzuordnen. Gleichzeitig ist dabei zu bedenken, dass sich rechtliche Strukturen und Gesetze ändern und ändern müssen, das Selbstverständnis der Diakonie als Lebens- und Wesensäußerung der Kirche sich jedoch nicht ändern kann. Natürlich ist auch die Diakonie Wandlungsprozessen und Veränderungen unterworfen, doch bleibt sie dabei Ausdruck Zeit abhängiger Lebendigkeit von Kirche ebenso wie unbedingtes und beständiges Element der Kirche. In der Diakonie macht sich Kirche stark für andere; sie ist Ausdruck der sozialen Arbeit der Kirche.
So ist diakonisches Handeln seit ihren frühen Anfängen Bestandteil der Kirche. Die Diakonie gründet sich im christlichen Glauben und schöpft daraus ihre unvergleichliche Kontinuität. Sie steht für couragierte Verlässlichkeit und Dauer. In einer langen Tradition garantiert die Arbeit der Diakonie die Orientierung an den Bedürfnissen und der Würde des Nächsten aus dem Glauben an Jesus Christus heraus. Seine Botschaft handelt von der Liebe und Gerechtigkeit, die Gott den Menschen schenkt.
In seiner Gottebenbildlichkeit ist dem Menschen verantwortungsvolles Handeln der Schöpfung und seinem Nächsten gegenüber aufgetragen.
Ein Kennzeichen dieses Geschenks, dieser Gnade Gottes ist die Gottebenbildlichkeit des Menschen. In ihr drückt sich die Verantwortung aus, die Gott dem von ihm geschaffenen Menschen überlässt: Die Gottebenbildlichkeit stellt den Menschen in eine verantwortungsvoll handelnde Beziehung zu der ganzen Schöpfung, besonders aber zu seinem Mitmenschen, seinem Nächsten. Diese Botschaft Jesu Christi begegnet uns in der Bibel oder im Gottesdienst, und vor ihrem Hintergrund steht das praktische diakonische Handeln.
Geschichte vom barmherzigen Samariter
Eines der biblischen Beispiele diakonischen Handelns ist die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37).
Dieses Gleichnis erzählt Jesus einem Schriftgelehrten als Antwort auf dessen Frage, wer denn eigentlich sein Nächster sei, den er lieben solle wie sich selbst:
Ein Mann wollte von Jerusalem nach Jericho reisen. Unterwegs überfielen ihn Räuber. Sie nahmen ihm alles ab, was er bei sich hatte, und schlugen ihn und ließen ihn halbtot liegen, bevor sie flüchteten. Nach einiger Zeit kam ein Priester vorbei. Er sah den Mann liegen und ging vorbei. Dann näherte sich ein Levit, und auch er sah den Verletzten dort liegen und ging vorbei. Schließlich aber kam ein Mann aus Samaria zu der Stelle. Er sah den Mann und hatte Mitleid mit ihm. Also ging er zu ihm und behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie ihm. Der Samariter hob den Verwundeten auf seinen Esel und brachte ihn in das nächste Gasthaus, wo er sich um ihn kümmerte. Am nächsten Tag gab er dem Wirt Geld und sagte zu ihm: Sorge gut für den Kranken. Wenn es mehr kostet, als ich dir gegeben habe, bezahle ich dir den Rest, wenn ich wieder vorbeikomme.
Der Schriftgelehrte erkennt, dass der Samariter in Nächstenliebe gehandelt hat und wird von Jesus aufgefordert: Gehe auch du hin und tue desgleichen.
Diese Geschichte ist immer wieder neu eine Geschichte der Diakonie. Sie zeigt schnelles und wirkungsvolles Handeln, das - ohne nach Gegenleistung oder Anerkennung zu fragen - geleistet wird. Die Geschichte verdeutlicht, was es heißt, in die Nachfolge des dienenden und heilenden Jesus zu treten. In dieser Nachfolge steht die Diakonie, die täglich an ihren Mitmenschen helfend handelt und ihnen dient. Sie gibt der Liebe und Gerechtigkeit Gottes ihre Gestalt in dieser Welt.
Diakonisches Handeln orientiert sich an dem, was dem Nächsten dient.
Der Dienst am Nächsten ist uneigennützig: Er wird nicht umsonst, aber ohne Gewinnstreben getan. Dementsprechend lebt dieser Dienst von dem großen Engagement der Ehrenamtlichen, die neben den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern professionell und wirksam Hilfe leisten.
Sie alle vertreten die Interessen der Hilfebedürftigen und Ratsuchenden gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik und verschaffen ihnen Gehör. Sie treten ein für eine Gesellschaft in Solidarität und Gerechtigkeit, die sich an der Würde jedes einzelnen Menschen orientiert und seine Selbstbestimmung achtet.
Dies ist das Besondere, die Qualität diakonischen Handelns: Orientierung an dem, was dem Nächsten dient.