Diakonisches Werk Hamburg

Beispiele: Wege aus der Schuldenfalle

 
Immer mehr Menschen in Hamburg kämpfen mit Schulden. Viele sind – im wahrsten Sinne – unverschuldet in die finanzielle Krise geraten. Vier Beispiele aus der Schuldnerberatung der Diakonie. Die Namen sind geändert.
 
Alleinerziehend und erkrankt
Frauke A. (45) hat studiert, allein zwei Kinder groß gezogen und als Sozialpädagogin in einer Kindertagesstätte gearbeitet – bis sie an Krebs erkrankte. Sie bekommt jetzt eine Erwerbsunfähigkeitsrente von 465 Euro. Das reicht nicht, um ihre Schulden bei der Sparkasse, dem Zahnarzt und dem Bafög-Amt zu begleichen, insgesamt rund 11.000 Euro. Frauke A. erhält ständig Mahnungen, der Gerichtsvollzieher hat sein Kommen bereits angekündigt. Das belastet Frauke A. Eine außergerichtliche Einigung, die sie mit Unterstützung der Schuldnerberatung anstrebt, scheitert. Deshalb entschließt sie sich, das langwierige Insolvenzverfahren zu durchlaufen: Sechs Jahre lang muss sie den Gläubigern ihr pfändbares Einkommen und Vermögen zur Verfügung stellen. Frauke A. ist zuversichtlich, dass sie diese Wohlverhaltenszeit durchsteht und ihr danach die verbleibenden Schulden erlassen werden.
 
Handy
Kerstin B. (20) war noch in der Ausbildung und hatte bereits Schulden von 600 Euro – aufgrund eines Handy-Vertrages. Sie hatte ihre wirtschaftlichen Verhältnisse falsch eingeschätzt und war schnell mit 400 Euro im Rückstand. Deshalb bat sie den Telefonanbieter, den Zwei-Jahres-Vertrag vorzeitig aufzuheben – vergeblich. Das Unternehmen beauftragte stattdessen ein Inkassounternehmen, sodass die Forderung mit Inkassogebühr, Mahnkosten und Zinsen auf 600 Euro stieg. Kerstin B. wandte sich an die Schuldnerberatung. Mit Erfolg: Die Summe wurde wegen nicht gerechtfertigter Kosten um 50 Euro reduziert, und Kerstin B. traf eine Zahlungsregelung. Jeden Monat kann sie nun 25 Euro abzahlen. Der Handy-Vertrag wurde aufgelöst.
 
Vergleich mit Versandhaus
Daniela L. (28) hat Schulden bei mehreren Versandhäusern. Ihr Gehalt als Verkäuferin reicht gerade, um den Verbindlichkeiten nachzukommen. Doch das ändert sich nach der Geburt ihres Kindes. Der Vater hat sich von ihr getrennt, sie ist nun allein erziehend, findet keine Unterbringung für das Kind und muss deswegen ihren Job aufgeben. Jetzt kann sie die Schulden, mittlerweile 3.000 Euro, nicht mehr bedienen. Daniela L. hat Glück. Ihre Eltern, die auch nur geringe Einkünfte haben, bekommen 1.750 Euro aus einer Lebensversicherung ausgezahlt und stellen diesen Betrag zur Verfügung. Mit Hilfe der Schuldnerberatung handelt Daniela L. einen Vergleich aus: Die Gläubiger ermäßigen ihre Forderung von 3.000 auf 1.750 Euro und bekommen dafür ihr Geld sofort. Sobald das Kind in den Kindergarten geht, will Daniela L. wieder arbeiten – und ihren Eltern die Summe zurückzahlen.
 
Selbständig
Walter F. (49), der lange in der Gastronomie beschäftigt war, wagt den Schritt in die Selbstständigkeit: Er eröffnet ein eigenes Restaurant. Die Anfangszeit ist Erfolg versprechend, aber dann beginnen direkt vor dem Haus langwierige Sielbauarbeiten. Darunter leidet der Restaurant-Betrieb – eine Situation, die Walter F. nicht einkalkuliert hatte. Inzwischen musste er den Betrieb schließen. Schulden: rund 70.000 Euro. Auch Walter F. hat Kontakt mit der Schuldnerberatung aufgenommen, um sich über das Insolvenzverfahren zu erkundigen.
Was sollten Sie tun, bevor Sie sich an die Schuldnerberatung wenden?
Bitte sammeln und ordnen Sie alle Unterlagen über Ihre Schulden, Ihre Versicherungen, Ihr Einkommen und Ihre festen Ausgaben. Falls Unterlagen fehlen oder unvollständig sind, helfen wir Ihnen bei der Wiederbeschaffung.
Besuchen Sie unsere kostenlose Informa- tionsveranstaltung zum Verbraucher- insolvenzverfahren.
Termine und Anmeldung unter der Rufnummer: (040) 306 20 - 385
 



gedruckt am Mo, 21.05.2012 aus http://diakonie-hamburg.de

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